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Gesundheitspolitik 2. Mai 2007

Prostatakrebs als Schnittstellenthema

Dem PSA-Test kommt eine bedeutende Rolle in der Früherkennung von Prostatakrebs zu. Allerdings sollte Männergesundheit nicht nur auf diesen Test reduziert werden. Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz verwirklicht auf diesem Gebiet jetzt einen multidisziplinären Ansatz.

Im März wurde am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz ein „Prostata-Zentrum“ eröffnet. „In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Männer, die mit schon sehr weit fortgeschrittenem Prostatakrebs zu uns kamen, verfünffacht“, nennt Dr. Wolfgang Loidl, Leiter der Abteilung für Urologie und Andrologie, einen wesentlichen Anlass für die Umsetzung dieses Projekts. Verwirklicht wird ein multidisziplinärer Ansatz: „Wir bieten ein Gespräch an, bei dem ein Urologe, ein Onkologe und ein Strahlentherapeut dabei sind“, erklärt Loidl. Im Zentrum gibt es zudem einen Psychoonkologen – im Haus finden regelmäßig Treffen einer Selbsthilfegruppe für Betroffene statt. „Weiters gibt es Vorträge bzw. fachinterne Fortbildungen – auch zu komplementärmedizinischen Ansätzen“, ergänzt Loidl. Das Prostatazentrum wurde auf dem aktuellsten medizintechnischen Stand ausgestattet, etwa mit einem Green-Light-Laser zur schonenden Behandlung gutartiger Prostatavergrößerung sowie einer 3-D-Saturationsbiopsie. Besonders wichtig ist Loidl die Vernetzung mit dem niedergelassenen Bereich: „Der erste Ansprechpartner und Koordinator sollte der Hausarzt sein.“ In Ober­österreich ist seit langem das „Forum Prostata“ tätig, bei dem Fachärzte sowie Allgemeinmediziner eng zusammenarbeiten und das regelmäßig Vorsorgeaktionen umsetzt. „Insofern gibt es eine gute Kooperation: Die Früherkennung liegt beim Hausarzt, die weitere Behandlung beim Facharzt bzw. bei Zentren wie dem unseren.“ Von Seiten der Gesundheitspolitik gibt es für Projekte wie das Prostatazentrum kaum Unterstützung: „Wir bekommen für die Arbeit im Prostatazentrum dieselben Punktewerte wie bisher, obwohl sich die Qualität und Intensität der Betreuung deutlich verändert hat. Zum Glück stand die Verwaltung des Hauses von Anfang an hinter dem Projekt und war auch bereit, hier entsprechend zu investieren.“

PSA-Test nicht an der Supermarktkasse

Loidl hält es für wichtig, dass Männer ihren PSA-Wert ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig überprüfen, spätestens wenn mann 45 ist, sollte dies aus seiner Sicht jährlich erfolgen. Für Loidl problematisch ist, dass die Bestimmung des PSA-Wertes keinen fixen Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen mehr darstellt, was er auf Auseinandersetzungen innerhalb der Ärzteschaft zurückführt. „Hier gab es Ängste, dass bestimmte Untersuchungen nicht mehr bei Fachärzten durchgeführt werden“, so Loidl. Natürlich könnten Patienten die Prüfung des PSA-Wertes auch aktiv erbitten. „Wichtig wäre, regelmäßig zu prüfen, wie schnell und in welchen Zeitraum der PSA-Wert ansteigt.“ Er hält nichts davon, „wenn PSA-Tests völlig unreflektiert quasi an der Kasse jedes Supermarkts durchgeführt werden“. Denn so würde sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auch winzigste Tumore entdeckt werden, die nie ein Problem dargestellt hätten oder es entstehen mehr falsch-positive Ergebnisse. „Ein Screening sollte gezielt ansetzen: Also etwa bei Männern, in deren Familie bereits Probleme mit der Prostata bzw. generell Krebserkrankungen aufgetreten sind. Oder wenn bei der analen Untersuchung eine starke Vergrößerung der Prostata festgestellt wird. Oder wenn Beschwerden vorliegen“, meint Loidl. Ebenso wichtig wäre aber auch der PSA-Test im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung.

Männergesundheit betrifft nicht nur die Prostata

Loidl hält es für sehr wichtig, „den Mann nicht auf seine Prostata zu reduzieren und die Angebote zur Männergesundheit nicht auf die Überprüfung des PSA-Wertes“. Dass Männer statistisch gesehen sieben Jahre früher als Frauen sterben, hat auch viele andere Ursachen. Natürlich sei Öffentlichkeitsarbeit wichtig, um Männer zu motivieren, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen und sich dabei den PSA-Wert untersuchen zu lassen. „Mindestens genauso wichtig ist der Aufruf, generell einen gesunden Lebensstil umzusetzen – dieser hängt, wie aktuelle Analysen zeigen, eng mit der Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen zusammen“, so der Urologie-Primar. Es sollte daher mehr Informations-, Beratungs- und Begleitungsangebote auch speziell für Männer geben, die diesen Ansatz unterstützen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 18/2007

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