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Gesundheitspolitik 22. Juni 2007

Studium bringt nun ganzheitliche Sicht

Medizinstudenten fordern mehr Möglichkeiten, die gelernten Inhalte vor allem in Bezug auf die Patientengespräche und ganzheitliche Herangehensweise auch in der Praxis umsetzen zu können, anstatt für die Systemerhaltung und Administration eingesetzt zu werden.

Ende Mai fanden die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft statt. Auch an den drei medizinischen Universitäten konnten die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) deutlich Stimmen gewinnen. In Wien hat weiterhin die Österreichische Medizinerunion mit über 70 Prozent eine deutliche Mehrheit. Der VSStÖ erhielt hier knapp 20 Prozent der Stimmen. In Graz waren es an die 17 Prozent. 36 Prozent wählten die GRAS und 31 Prozent die Aktionsgemeinschaft. In Innsbruck konnte eine Plattform aus Aktionsgemeinschaft und Unabhängigen sieben von neun Mandaten erlangen. Neue Vorsitzende der HochschülerInnenschaft an der MedUni Innsbruck ist Vera Schmied.
Schmied studiert bereits nach dem neuen Curriculum. „Ich begleitete StudentInnen beim Umstieg vom alten auf das neue System, nahm also stark die Unterschiede wahr.“ Schmied begrüßt, dass die ärztliche Gesprächsführung nun endlich umfassend vermittelt wird. „Allerdings erleben wir bei Famulaturen und auch in Gesprächen mit den Turnusärzten, dass für dieses so wichtige Gespräch sehr oft zu wenig Raum und Zeit bleibt. Viel zu viel geht für Administration verloren“, kritisiert Schmied.
Das Studium sollte in Zukunft auch strukturierter mit Vorlesungen am Vormittag und dazu passenden Praktika am Nachmittag aufgebaut sein – „Themen werden aus verschiedenen Blickwinkeln vermittelt, eine ganzheitlichere Sicht wird möglich“.
Es geht weniger um das fächer­orientierte Auswendiglernen von Fakten, als um ein Lernen von Zusammenhängen. „Manche Professoren sind aber bei der Vermittlung der Inhalte und besonders bei Prüfungen noch in den Schemata des alten Systems, wo Details im Vordergrund stehen und viel weniger, wie diese zusammenspielen oder wie ein Symptom aus den verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann.“

Enger Bezug zum Alltag

Zur ganzheitlichen Sicht ein wichtiger Beitrag ist für Schmied, dass gerade in Innsbruck die Allgemeinmedizin von Anfang an einen wichtigen Stellenwert hat: „Schon im ersten Semester wird mit wöchentlichen Fallbesprechungen begonnen – so entsteht ein sehr enger Bezug zum medizinischen Alltag und es ist sehr gut möglich, das Gelernte unmittelbar umzusetzen.“ Vorteilhaft sei, dass viel in Kleingruppen gearbeitet wird und auch hier der Praxisbezug eine sehr große Rolle spielt. Die Jahrgänge bleiben im neuen Studiensystem zusammen, so entstehen auch intensivere soziale Kontakte. „Zumindest an diesem Standort ist sichergestellt: Wer seine Prüfungen positiv ablegt, kann das Studium innerhalb der Mindeststudiendauer absolvieren.“
An der Medizinischen Universität Innsbruck besteht das letzte Jahr des Studiums aus einer Art Famulatur, wo es noch einmal sehr stark um den Praxisbezug geht. „Grundsätzlich bringt ein neues Studiensystem auch Kinderkrankheiten mit sich, hier wäre es wichtig, diese gemeinsam konstruktiv zu bearbeiten“, meint Schmied.
Sie nimmt bei Studenten aber auch Sorgen um die berufliche Zukunft wahr: „Es wird ja immer wieder darüber diskutiert, wie viele überhaupt zugelassen werden dürfen, und es ist keineswegs sicher, ob alle dann im Inland eine Ausbildungsstelle oder einen Job bekommen.“ Schmied unterstützt auch die Weiterentwicklung der Turnusärzteausbildung: „Sehr wichtig ist, dass es klar definierte Zuständigkeiten bei der Einführung und Begleitung dieser Mediziner gibt und auch Tätigkeitsprofile, die auf die Ausbildung und nicht auf die Systemerhaltung oder Administration ausgerichtet sind.“
Gerade in der Turnusausbildung – aber durchaus auch bei Famulaturen – wäre die Entwicklung von Teilzeitstellen sehr wichtig. „Nicht nur für Frauen ist das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr wichtig“, meint Schmied. Genderaspekte müssten aber auch schon bei der Auswahl der Studenten stärker Beachtung finden: „Bei den letzten Aufnahmetests haben Männer auffallend besser abgeschnitten als Frauen“. Aus Schmieds Sicht wird zu wenig der Aspekt der sozialen Kompetenz berücksichtigt, „nötig wäre, diese Tendenz genauer zu analysieren und den Test entsprechend weiter zu entwickeln“.

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