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Gesundheitspolitik 14. Juni 2007

Kammer warnt vor Beteiligung an Zeitungs-„Ärztewahl“

Geht es nach einer österreichischen Tageszeitung, sollen Ärzte möglichst schnell ein Plakat mit folgendem Inhalt in ihren Ordinationen aufhängen: „Wählen Sie mich als Ihren Lieblingsarzt und gewinnen Sie einen TV-Flatscreen“.

Eine österreichische Tageszeitung ruft zum Wahl des „beliebtesten“ Kassenarztes auf – wobei ein besonderer Fokus auf dem Hausarzt liegt, laut dem Medium den „Engeln der Medizin“. Einen Flatscreen inklusive „Infotainment“-System kann nicht nur der Patient, sondern auch die Ordination gewinnen.
Solche „Ärztewahlen“ und Listen der „Top-Mediziner“ hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Und ebenso häufig entbrannte die Diskussion, inwieweit Ärzte dergleichen mittragen sollten oder überhaupt dürften. „Der Geist solcher Aktionen widerspricht dem wichtigen Prinzip der Grundversorgung, dass jeder und jede Zugang überall zu aktueller Spitzenmedizin haben soll“, meint Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer für die Steiermark. Durch eine solche mediale Präsenz sei es auch nicht wirklich möglich, Vertrauen aufzubauen oder neue Patienten zu gewinnen. „Das geht nur durch seriöse Arbeit, persönliche intensive Auseinandersetzung mit den Patienten und sicher auch die so entstehende Mundpropaganda“, so Routil weiter.
Oft werden Ärzte dann aufgerufen, Kommentare zu ihrer Platzierung in den Ärzte-Rankings abzugeben bzw. ein Foto ihrer Person zu liefern. Davon könne, meint Routil, niemand abgehalten werden, wenn die Grenzen zum Marktschreierischen nicht überschritten werden. Also etwa Hinweise auf spezifische medizinische Behandlungsmethoden, die quasi nur von diesem Arzt in dieser Qualität zu erwarten seien. Aus Routils Sicht würden solche öffentlichen Präsentationen dem Image der Ärzte mehr schaden als nutzen.
„Bei dieser konkreten Aktion kommt allerdings der Aspekt des Plakats im Wartezimmer dazu, das sich der Arzt aus dem Internet downloaden soll. Wer dieses Plakat aufhängt, verstößt eindeutig gegen die Werberichtlinien der Ärztekammer“, betont Dr. Renate Wagner, Juristin in der Österreichischen Ärztekammer. Denn hier handle es sich ganz klar um marktschreierische Werbung. Wagner kündigt auch einen offiziellen Brief an die Tageszeitung an, in dem dieser Rechtsstandpunkt unterstrichen wird. Sie warnt eindringlich, sich als Arzt auf diese Weise an der Aktion zu beteiligen.

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