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Gesundheitspolitik 15. Mai 2007

Holpriges Entlassungsmanagement

Schon seit 2004 werden gute Erfahrungen mit einem Projekt für Entlassungsmanagement im Bezirk Dornbirn (Vorarlberg) gemacht. Allerdings droht nun Gefahr für die Qualität bei der geplanten Ausweitung.

Wie berichtet, wurden in der letzten Sitzung der Vorarlberger Landesgesundheitsplattform neben Initiativen in der Palliativmedizin und mobilen Kinderkrankenpflege auch die Ausweitung der Bemühungen um ein gutes Entlassungsmanagement beschlossen. Im Bezirk Dornbirn läuft dazu schon seit 2004 ein Pilotprojekt: „Es geht vor allem um Patienten, die durch akute Vorfälle aus ihrem Leben und Strukturen gerissen werden“, erklärt Dr. Michael Jonas, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Vorarlberg. Dabei kann es auch um eine auftretende oder sich verschlimmernde chronische Krankheit handeln, die einer Person aus einem instabilen sozialen Umfeld quasi den Boden unter den Füßen wegzieht. „Meist geht es um eine Kombination aus Folgen eines akuten Vorfalls oder eben einer chronischen Krankheit mit sozialen Problemen“, so Jonas. Dies bringt sowohl für den Betroffenen und die Angehörigen als auch für die betreuenden Personen sowie Institutionen eine oft sehr starke Belastung und Herausforderung. Schon bei der Aufnahme im Spital soll geklärt werden, ob dies auf den konkreten Patienten zutrifft. Eine eigens für diese Aufgabe mit entsprechendem Zeitbudget ausgestattete Sozialarbeiterin übernimmt die Koordination: „Einbezogen werden der behandelnden Hausarzt oder eventuell auch andere niedergelassene Fachärzte, die Angehörigen bzw. mobile pflegerische und soziale Dienste vor Ort.“ Von Anfang an wird geprüft, was für die Zeit nach der Entlassung nötig und sinnvoll ist. In weiterer Folge übernehmen der Hausarzt oder die Hauskrankenpflege das Case Management – für die Hausärzte gibt es dafür auch eine Honorierung.

Ökonomischer Effekt

„So wird die Anzahl von Personen reduziert, die immer wieder auf die Ambulanz oder in die stationäre Betreuung kommen, weil sie selbst, die Angehörigen, betreuenden Ärzte usw. überfordert sind oder sich durch Probleme in der Versorgung die Situation wieder verschlimmert hat.“ Daher, so betont Jonas, geht es auch um einen deutlichen ökonomischen Effekt: Die Einbeziehung und Vorbereitung des Umfelds, das Case Management tragen dazu bei, dass Krankenhausaufenthalte vermieden werden oder deutlich kürzer ausfallen. Allerdings gibt es einen großen Wermutstropfen: „Es wird laut darüber nachgedacht, die Honorierung des Case Managements zu streichen“, berichtet Jonas. Die Gebietskrankenkasse überlegt, eigene Mitarbeiter in dieser Thematik auszubilden und über die regionalen Standorte der GKK einzusetzen. „Bis jetzt haben wir niedergelassenen Ärzte zur Finanzierung des Projekts mit Mitteln aus dem in Vorarlberg gedeckelten Topf für extramurale Leistungen beigetragen – das würden wir dann nicht mehr rechtfertigen können.“ Zu befürchten ist für Jonas ein massiver Qualitätseinbruch: „Ein wesentliches Element der Vorgangsweise beim Projekt sind gemeinsame Visiten, bei denen zumindest niedergelassene und Spitalsärzte sowie die Krankenpflege einbezogen sind: Diese erfolgen sowohl bereits im Krankenhaus und/oder in den eigenen vier Wänden des zu Betreuenden.“ Gefragt wäre hier auch medizinisches Fachwissen bzw. durch entsprechende Honorierung ermöglichter Raum, um auf Zusammenhänge zwischen der konkreten sozialen Situation und des Gesundheitszustands einzugehen. „Es geht um mehr als administrative Koordination, sondern auch um persönlichen Kontakt durch die Vertrauensperson Hausarzt, der auf sein Fachwissen und die Kenntnis der Person und ihres Umfeldes zurück greifen kann.“

Immer dasselbe Problem

Jonas betont, dass die Ausweitung des Projektes mit Mitteln aus dem Reformpool auf andere Bezirke sehr genau beobachtet werden wird. „Es ist auch bei anderen Reformpoolprojekten immer wieder dasselbe Problem: Die Kasse profitiert finanziell nicht davon, da die Beiträge für die Spitäler gedeckelt sind.“ So würde der eigentlich positive Ansatz der Gesundheitsrefom im Keim erstickt – dazu kommen noch ein massiver Aufwand bei der Administration der Projekte.

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