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Gesundheitspolitik 24. April 2007

Zielvereinbarung hat sich bewährt

Vor zwei Jahren schlossen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse in Oberösterreich eine Zielvereinbarung als Alternative zum Arzneimittelbewilligungssystem ab. Diese hat sich bewährt und wird nun verlängert.

Während in allen anderen Bundesländern das Arzneimittelbewilligungssystem ABS umgesetzt wurde, schloss Oberösterreich 2005 eine Zielvereinbarung mit der Kasse ab – bei Patienten der Gebietskrankenkasse ist also jeder niedergelassene Arzt sein eigener Chefarzt. Dabei verpflichten sich die Ärzte, sich an die Spielregeln des Erstattungskodex zu halten. Die Vereinbarung war mit zwei Jahren limitiert und geht nun in die Verlängerung bis 2008. „Sie hat sich in jeder Hinsicht bewährt“, freut sich MR Dr. Oskar Schweniger, Vorsitzender der Kurie der niedergelassenen Ärzte in Oberösterreich: „Bei der Entwicklung der Medikamentenkosten liegen wir leicht unter dem österreichischen Durchschnitt. Beim Anteil der verschriebenen Medikamente aus der Green Box bzw. bei den Generika sind wir Vorreiter.“

Abbau bürokratischer Hürden

Das Ziel „keine Leistungserweiterung – aber auch keine Leistungseinschränkung“ wurde damit erreicht. Die oberösterreichischen Ärzte begrüßen in der großen Mehrzahl den Wegfall der bürokratischen Hürde und gehen mit ihrer Verordnungskompetenz sehr verantwortungsvoll um“, ergänzt Mag. Harald Schmadlbauer von der OöGkk. Allerdings weist er darauf hin, dass „österreichweit ein deutliches Ausgabenwachstum in diesem Bereich zu beobachten ist: bei allen Gebietskrankenkassen etwa 6,6 Prozent bei der OöGkk plus 6,4 Prozent. 2007 müssen wir aufgrund der derzeitigen Entwicklung von einem noch stärkeren Wachstum ausgehen.“ Sehr schnell vorbei gewesen wären, so betont Schweninger, auch die Zeiten, wo bei der von Kammer und Kasse eingerichteten Clearingstelle ständig das Telefon klingelte, weil Ärzte mit der Neuregelung – auch in Bezug auf Medikamenten aus der Green Box – nicht zurecht kamen. Schweniger sieht weiterhin das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit, das die Zielvereinbarung für die verschreibenden Ärzte ermöglichen würde, als zentralen Vorteil. „Und die vorliegenden Erfahrungen zeigen deutlich, das es nicht nötig ist, dass es ständig eine chefärztliche Kontrolle gibt – Ärzte sind sehr wohl fähig, medizinische und ökonomische Notwendigkeiten zu vereinbaren.“ In Abstimmung mit der Ärztekammer verworfen wurde inzwischen die ursprüngliche Idee, Ärzten, die die Zielvereinbarung besonders „gut“ einhalten, eine finanzielle oder andere Bonifikation zu geben. Probleme gab es bei der Umsetzung der Zielvereinbarung beim Umgang mit dem von Ärztekammer und Gebietskrankenkasse (OöGkk) gemeinsam erstellten Handbuch, welche Medikamente verschrieben werden dürfen und für welche weiter eine Genehmigung nötig ist. „Dieses war bislang sehr sperrig und vor allem auch aufgrund des Umfangs teils schwierig zu handhaben“, so Schweniger. Mit der OöGkk wurde nun vereinbart, dass es statt diesem Handbuch eine Liste von 95 Medikamenten hauptsächlich aus dem No-Box-Bereich gibt, bei denen die Ärzte bei der Clearingstelle bei einer Verschreibung verbindlich nachfragen müssen. Möglich ist dies via Fax, Mail oder Telefon – „und es gibt eine sehr schnelle Reaktion – maximal wird es einen halben Tag dauern, bis eine Antwort kommt“, so Schweninger. Diese Liste wird regelmäßig gemeinsam aktualisiert, wobei derzeit daran gearbeitet wird, diese mit dem EDV-System der Ordination zu verknüpfen. „Es wird also ein Pop-up mit einem Warnschild auftauchen, wenn ich dieses Medikament verschreiben will.“

Praktikables Werkzeug

Schweninger weist darauf hin, „dass die Medikamente, die den Ordinationsalltag hauptsächlich prägen, weiter ohne ABS oder Chefarzt verschreibbar bleiben. Dies wäre letztlich auch bei den kleinen Kassen sowie in allen anderen Bundesländern umsetzbar und würde Ärzten viel an Bürokratie und auch Frust ersparen.“ Auch aus der Sicht des anfänglichen Kritikers, Dr. Werner Mahn, Allgemeinmediziner aus Weibern, hat sich die Zielvereinbarung bewährt: „Es ist ein sehr praktikables Werkzeug, das unser Handeln oft sehr vereinfacht.“

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