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Gesundheitspolitik 30. Oktober 2007

Schockbilder zum Abgewöhnen

Künftig sollen abschreckende Fotos auf Zigarettenpackungen die Schweizer vom Rauchen abhalten. Während Gesundheitsorganisationen die Bilder möglichst schnell wollen, fordern Handel und Industrie mehr Zeit. Vergangene Woche ist die Vernehmlassung zur neuen Verordnung abgelaufen. Mit den schockierenden Bildern will der Schweizer Bundesrat nicht nur die Prävention stärken, sondern auch mit der EU gleichziehen. Seit 2003 steht es EU-Mitgliedsstaaten frei, Bilder auf Zigarettenpackungen vorzuschreiben. Die Bilder in der Schweiz sollen die gleichen sein. Die Rechte dafür hat Bern in Brüssel bereits gesichert.
In der Vernehmlassung äußerte die Tabakbranche Kritik an den Bildern: Die Verwendung von insgesamt 46 Motiven sei übertrieben. Auch bemängelt die Branche, dass die Motive immer wieder ausgetauscht werden müssen.
Der Verband Swiss Cigarette, dem auch die Zigarettenhersteller Philip Morris und British American Tobacco angehören, fordert überdies längere Übergangsfristen. Vorgesehen ist, dass die Produzenten ab 2008 ein Jahr Zeit haben, die Maßnahme umzusetzen. Swiss Cigarette fordert zwei Jahre. Kürzere Fristen verlangen hingegen die Krebsliga Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft Tabak, die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme und die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention. Ein halbes Jahr müsste zur Umsetzung genügen, finden die Gesundheitsorganisationen.
Auf einen interessanten Aspekt machen neben dem Tabakwarenhandel auch die kantonalen Gesundheitsdirektoren aufmerksam: Für Jugendliche könnten die schockierenden Bilder attraktiv wirken. Die Bilder hätten so eine kontraproduktive Wirkung, das Rauchen würde mehr in Mode kommen.
Nicht in die Vernehmlassung einbezogen wurden die Parteien. Die SVP nahm trotzdem Stellung. Sie lehnt die Schockbilder ab. Es handle sich um einen verfehlten Präventionsversuch mit „inquisitorischem Charakter“, teilte sie mit. Der Vorschlag zeuge vom „Regulierungseifer“ der Behörden.
Neben den Bildwarnhinweisen wird es weiterhin Textwarnhinweise auf den Packungen geben. Die kombinierten Warnhinweise (Bild oder Text) sind Teil des Nationalen Programms zur Tabakprävention (NPTP). In diesem legte der Bundesrat zwölf Punkte fest, mit welchen der Tabakkonsum im Lande nachhaltig gesenkt werden soll.

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