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Gesundheitspolitik 18. April 2007

IGMed als „Notwehr-Gemeinschaft“ von Ärzten formiert

Aus der regional tätigen Ärzteplattform Mostviertel ist die IGMed hervorgegangen, die allen Ärzten die Möglichkeit bieten möchte, sich zu artikulieren, zu vernetzen und auszutauschen.

„Wir können die Maßnahmen der Politik im Gesundheitswesen und im damit verbundenen Gesellschaftsbereich im postindustriellen und globalisierten Zeitalter in dieser Form nicht mehr unkommentiert mittragen und möchten ÄrztInnen und PatientInnen wachrütteln, die dadurch entstehenden Gefahren zu erkennen“, so Dr. Christian Schwarz von der jüngst gegründeten Ärzteplattform IGMed. Dr. Franz Svehla ist Präsident dieses Vereins und meint: „Wir können nur als Interessen­gemeinschaft agieren, um weitere Schäden an behandelnden Ärzten und Patienten abzuwenden und auf die massiv eingetretenen Fehlentwicklungen zu antworten. Unsere Mittel sind hierbei genau mit allen legalen demokratischen Instrumenten definiert.“ Die IGMed wendet sich sowohl an niedergelassene Ärzte als auch an Spitalsärzte. Sie sieht sich als Informationsplattform, bei der jeder Gelegenheit hat, Sorgen, Anregungen, Fragen und Kritik zu platzieren. „Von Parteipolitik, Standespolitik oder von einer anderen Vereinnahmung im Vertretungsbereich wie Kammern, ÖGB oder Vereinen distanzieren wir uns ausdrücklich“, so Svehla. So ist in keiner Weise auch nur angedacht, dass die IGMed parteipolitisch oder kammerstandespolitisch in Erscheinung tritt. „Im Mittelpunkt unseres Interesses steht der Mensch als Patient. Wir sind ausschließlich humanistisch orientiert.“ Anlass für die Gründung der Ärzteplattform Mostviertel vor etwa drei Jahren waren Zustände, die sich in den Augen der Initiatoren nicht wesentlich geändert haben. „Unser soziales Gesundheitssystem ist gerade im Begriff, in ein politisch instrumentiertes, evaluiertes, systematisiert überwachtes und finanziell rationalisiertes Regelwerk abzugleiten, in welchem wir als Ärzte und Patienten gleichsam als Rädchen im Getriebe funktionieren müssen. Das schafft Unsoziales, das bringt Unmenschlichkeit und führt zu Kälte, wo doch genau dort die Wärme zu spüren sein sollte. Uns stören nach wie vor die Auswüchse der überbordenden Bürokratie und profitorientierten technischen Medizin“, so Schwarz.

Ausschließlich humanistisch orientiert

Man wendet sich auch gegen rein ökonomisch ausgerichtete Rationierungsbestrebungen der jetzigen Gesundheitspolitik unter dem Titel „Reform“. „Die erfolgende Demontage des ärztlichen Berufsstandes, das damit einhergehende Vorgehen der Medien, die überbordende Büro­kratie mit der vordergründigen Platzierung der Qualitätssicherungskeule und die noch immer aufflackernde Uneinigkeit der Ärzteschaft erfordern eine Gegenwehr abseits der Kammer“, so Dr. Christian Eglseer, der Dritte im Bunde des IGMed-Vorstands.

Neu empfundene Zusammengehörigkeit

In den vergangenen Monaten hat die IGMed schon einiges erreicht. Eine Diskussionsplattform im Internet unter www.igmed.at wurde eingerichtet, es gab Diskussionsveranstaltungen mit Spitzenpolitikern wie etwa dem jetzigen Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer, der ehemaligen Bundesministerin für Gesundheit Maria Rauch-Kallat und Prof. Dr. Kurt Grünewald, Gesundheitssprecher der Grünen. Jüngster Höhepunkt war die Veranstaltung „Arzt im Recht“ rund um die juristischen Probleme der Ärzteschaft. „Alles mit dem Ziel, die Anliegen der betroffenen Ärzte klar und deutlich zu artikulieren und aufzuzeigen, welche Auswirkungen Gesetzesänderungen auf den einzelnen Arzt haben“, so Eglseer. Gleichzeitig will man einen Beitrag zu einer neu empfundenen Zusammengehörigkeit innerhalb der Ärzteschaft leisten. „Wie in Deutschland ist es dringend notwendig geworden, über die extra- und intramurale Grenze hinweg eine neue Geschlossenheit zu leben.“ Alle drei sind überzeugt: „Nur so können wir als Teil der Ärzteschaft die legislative Macht zum Nachdenken in ihrem Handeln bringen und ein kleines Gegengewicht zum professionellen Lobbying einflussreicher und finanziell potenter Kräfte im österreichischen Gesundheitswesen darstellen.“

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