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Gesundheitspolitik 11. April 2007

Sicherheitsgurt könnte Patienten verunsichern

Verunsicherung der Patienten und mangelnder Datenschutz sind die Hauptkritikpunkte der Ärztekammer, die den Patienten wenn, dann nur in der Arztpraxis „gläsern“ sehen will.

Unter dem Titel „Arzneimittel-Sicherheitsgurt – ein Fallstrick?“ lud die Österreichische Ärztekammer zur Pressekonferenz. Bei einem Pilotprojekt in 69 Salzburger Apotheken soll anhand der e-Card möglichst der gesamte Medikamentenkonsum eines Patienten erfasst und auf Neben- und Wechselwirkungen aufmerksam gemacht werden. „Für den Patienten ergibt sich eine enorme Qualitätssteigerung“, so Erich Laminger, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in einer Aussendung der Salzburger Apothekerkammer. „Erstmals kann die Medikamentenabgabe ... in ... Apotheken auf gefährliche Wechsel- und Nebenwirkungen geprüft werden“, vollelektronisch und vernetzt, freiwillig, kostenlos und datengeschützt. Die Ärztevertreter haben ihre Zweifel. Erstens daran, ob der Datenschutz generell tatsächlich gewahrt bleibt – etwa wenn der Apotheker mit dem Kunden spricht, während der Nachbar daneben steht und mithört. Zweitens werde dadurch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gestört, die dadurch verunsicherten Patienten würden unter Umständen gar nichts mehr einnehmen. Nicht selten aber seien Kombinationen von Medikamenten notwendig und Nebenwirkungen müssten manchmal in Kauf genommen werden. Drittens könne ein medizinisch Geschulter anhand der Daten so ziemlich alles über den Anwender erfahren – der gläserne Patient stünde vor dem Apotheker. Allerdings ist eine lückenlose Erfassung sowieso kaum möglich. Denn spätestens beim OTC-Verkauf muss niemand seine e-Card vorweisen. Zudem weist der Direktor der Pharmazeutischen Gehaltskasse, Dr. Wolfgang Nowatschek, in einer Aussendung des Apothekerverbandes darauf hin, dass der Patient selbst entscheidet, was gespeichert wird. Auch ein Ausstieg aus dem Pilotprojekt und eine Löschung von Daten seien jederzeit möglich. Für Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie der Niedergelassenen, ist es vor allem „ein Schlag ins Gesicht der Ärzte, von den Apothekern aus etwas zu entwickeln, ohne Gespräch mit den Ärzten“. Es sei ihm unverständlich, warum sich die Verantwortlichen nicht rechtzeitig mit der Ärztekammer in Verbindung gesetzt haben.Der Patient werde als Versuchskaninchen verwendet, findet Dr. Otto Pjeta, Leiter des Medikamentenreferats der ÖÄK. Natürlich hätte die lückenlose Erfassung der Medikationen ihre Vorteile, sie solle aber in den Ordinationen der Ärzte geschehen, meinen die Ärztevertreter.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 15/2007

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