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Gesundheitspolitik 5. April 2007

Viele Mankos in der Ausbildung

Trotz drohender Aberkennung als Ausbildungsstätte sieht eine große Zahl von Spitälern erst, wenn es wirklich ernst wird, eine Notwendigkeit in der Gestaltung der Ausbildung von Turnus- und Fachärzten. Oft fehlt ein strukturiertes Konzept oder ein Ansprechpartner für die Auszubildenden.

Schon seit 2000 gibt es Visitationen von Spitälern, in denen Turnus- und Fachärzte ausgebildet werden. Dabei wird geprüft, wie die Ausbildung umgesetzt wird – „wir haben in diesem Fall eine Behörden- und keine Servicefunktion, da wir ja ein Bundesgesetz umsetzen“, erklärt Dr. Karl Ischovitsch, Vizepräsident der Ärztekammer in Niederösterreich und Vorsitzender der Ausbildungskommission in diesem Bundesland.
Niederösterreich war in den letzten Jahren bei den Visitationen am fleißigsten – so wurden dort mehr durchgeführt als in allen anderen Bundesländern zusammen. Eher eifrig ist auch noch Salzburg.
„Leider ist es nach wie vor nicht gelungen, ein für alle Bundesländer einheitliches Vorgehen zu vereinbaren“, bedauert Dr. Peter Niedermoser, Vorsitzender der Ausbildungskommission der Österreichischen Ärztekammer. Einem Spital kann jedenfalls die Anerkennung als Ausbildungsstätte entzogen werden, wenn dieses Kritikpunkte ignoriert. Und von diesen gibt es bei vielen Spitälern eine sehr lange Liste: Es fehlt eine strukturierte Einführung der Turnusärzte, nach wie vor wird diese Aufgabe teils dem Pflegepersonal überlassen. Zu diesen gibt es zudem oft keine klare Abgrenzung der Tätigkeiten, was zu Frust bei beiden Berufsgruppen führt. Was ein Turnusarzt genau auf den Abteilungen macht, ist eher dem Zufall überlassen. Ein Tätigkeitsschwerpunkt sind oft Schreib­arbeiten in jeder Form – hier wird aber immer wieder auf den starken ökonomischen Druck auf die Spitäler verwiesen bzw. an Pilotprojekte wie den medizinischen Dokumentar. Bed-Side-Teaching ist eher die Ausnahme, die Teilnahme an Visiten keineswegs selbstverständlich. Für den Turnusarzt gibt es keinen fixen Ansprechpartner – das gilt übrigens auch für die Fachärzte – bzw. kaum Raum für Rückfragemöglichkeiten. Die Ausbildungsrotation richtet sich hauptsächlich nach den Erfordernissen der Spitäler und weniger nach dem aktuellen Ausbildungsstand.

Kurze Positivliste

„Das sind Mankos, die wir immer und immer wieder ansprechen“, ist bei Niedermoser eine gewisse Portion Frustration nicht zu überhören. Aber vor allem die Spitalsträger und auch teils die Abteilungsleiter schieben Veränderungen ständig auf die lange Bank. Zwei niederösterreichischen Häusern wurde nun eine Aberkennung als Ausbildungsstätte angekündigt, worauf laut Ischovitsch eine Welle der „Interventionitis“ begann.
„Wir werden in Niederösterreich eine Positivliste erstellen, allerdings wird diese nicht wirklich lange ausfallen“, so Ischovitsch. Es gäbe einige positive Ausnahmen, wo auch das Turnusärzteprofil der Ärztekammer bereits umgesetzt wird – aber diese wären deutlich in der Minderheit.

Auch andere Missstände

„Während der Visitationen wurden wir von Ärzten auch auf andere Missstände hingewiesen: Eine große Zahl von Überstunden, die teils nicht bezahlt werden; Ärzte, die Tätigkeiten vollziehen müssen, die nicht ihrem Fachgebiet entsprechen; Eeine krasse Unterversorgung im psychiatrischen Bereich“, ist Ischovitsch besorgt.
Trotzdem ist er sich mit Niedermoser einig, dass die Ausbildungsvisitationen langfristig auch zu Verbesserungen führen würden. Es gäbe zudem Spitalsträger wie den Wiener KAV, die selbst auf die Umsetzung der Kriterien für die Erhaltung der Berechtigung als Ausbildungsstätte achten würden.
Niedermoser erhofft sich zudem Veränderungen durch die nun kommende Umsetzung der neuen Rasterzeugnisse: „In diesen sind zum Beispiel Dinge wie Bed-Side-Teaching oder die strukturierte Einführung sowie kontinuierliche Fortbildung und Supervision explizit festgehalten.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 14/2007

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