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Gesundheitspolitik 5. April 2007

Vernetzter Ansatz gegen Übergewicht

Im oberösterreichischen Rohrbach wird eine neue Initiative gegen Übergewicht gestartet – Ziel ist gleichzeitig auch die Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn kardiovaskuläre Probleme scheinen in der Rohrbacher Gegend aufgrund verschiedener Risikofaktoren besonders häufig zu sein.

Fast die Hälfte aller Sterbefälle geht in Österreich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück. In Oberösterreich sind dies jährlich rund 5.600 Fälle. Im Bezirk Rohrbach weisen verschiedene Parameter auf ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin: Der Anteil der Menschen mit erhöhtem BMI ist sehr hoch, gleichzeitig gehört die Rohrbacher Bevölkerung zu jenen, die vergleichsweise wenig Bewegung machen. Daher wurde diese Region für das Projekt „Aktiv – xund – inForm“ ausgewählt. „Schon bisher haben ÄrztInnen und Vertreter anderer Gesundheitsberufe aus dem intra- und extramuralen Bereich in dieser Region sehr intensiv zusammengearbeitet. Gerade bei diesem Projekt kann darauf aufgebaut und es können vorhandene Strukturen und Ressourcen vernetzt werden“, berichtet Prim. Dr. Anton Ebner, Medizinischer Leiter des Projekts und der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus Rohrbach.

 Neue Gesundheitsziele

Dichte Vernetzung der Gesundheitsanbieter

So bringen sich Ärzte auch bei der intensiven Vernetzung der Gesundheits- und Sozialanbieter vor Ort ein. Das Projekt soll zudem zum kürzlich formulierten „Gesundheitsziel“ des Landes Oberösterreich beitragen: Bis zum Jahr 2010 sollte die Mortalität infolge von Herz-Kreislauf-Krankheiten in der Altersgruppe unter 65 Jahre nachhaltig um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 zurückgehen.“ (Weitere Ziele siehe Kasten). Für Gesundheitslandesrätin Dr. Sylvia Stöger ist beim Projekt auch wichtig, dass hier geschlechtsspezifische Akzente gesetzt werden: „Herz-Kreislauf-Krankheiten gelten fälschlicherweise als typische Männerkrankheiten – aber von den dadurch verursachten Todesfällen waren deutlich mehr Frauen betroffen.“
„Aktiv – xund – inForm“ soll vor allem auch Informationen zum Thema Übergewicht sowie zu Möglichkeiten vermitteln, den Lebensstil zu verändern. Eingebunden in die Aktion werden sowohl die Betriebe und die „Gesunden Gemeinden“ in der Region als auch die Sportvereine und der Herzverband. „Vermittelt werden soll dabei an Patienten zudem, dass sie Abstand von Programmen ohne ärztliche Begleitung und Voruntersuchung bzw. von Wunderdiäten, die einen schnellen Gewichtsverlust ohne eigenes Zutun versprechen, nehmen sollen“, erklärt Ebnder. „Weiteres Ziel ist, Risikopatienten herauszufiltern und ihnen durch ein Interventionsprogramm konkrete Unterstützung anzubieten.“
Dabei soll auch die Vorsorgeuntersuchung gefördert werden. Risikopatienten wird dann eine wohnortnahe „Interventionsgruppe“ angeboten, wo sie zwölf Monate durch Ärzte kostenlos geschult und betreut werden, die wiederum in den Bereichen Ernährung, Sport und Psychologie speziell geschult wurden. Ins Projekt eingebunden sind sowohl die niedergelassenen Allgemeinmediziner und Fachärzte als auch Spitals- und Betriebsärzte.

Geschlechtsspezifische Betreuung

„Es werden auch außerhalb der Vorsorgeuntersuchungen Risikopatientinnen gezielt angesprochen und zur Teilnahme an dem Programm motiviert“, betont Ebner. Im Projekt lernen sie Ursachen für ihr Ess- und Bewegungsverhalten zu analysieren und folglich nachhaltig zu verändern und Coping-Methoden für Stress- oder Frust­situationen. Dabei werden Frauen und Männer auch geschlechtsspezifisch betreut.
Das Projekt wird vom Institut für Soziologie der Johannes Kepler Universität evaluiert. „Sind die Ergebnisse zufrieden stellend, so ist eine landesweite Umsetzung des Programms vorstellbar“, kündigt Stöger an.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 14/2007

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