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Gesundheitspolitik 28. März 2007

Fragebogenaktion „Hausarzt in Not“

Der Tonfall bei den insgesamt neun durchgeführten Ärztestammtischen zum Thema „Hausarzt in Not“ war unterschiedlich. Teilweise waren die Teilnehmer über die bestehende Situation höchst empört, in anderen Bundesländern wurde hingegen die Bezeichnung an sich sogar in Frage gestellt. Auch die Ansätze zur Lösung der Problematik waren unterschiedlich.

Oft genug wurde die finanzielle Situation der betroffenen Ärzte als Notsituation dargestellt, in vielen Fällen war jedoch auch von „Allgemeinmedizin in Not“ oder sogar „Patient in Not“ die Rede.
Resonanz war überraschend Ich habe mir also im Laufe des vergangenen Jahres die Sorgen und Nöte der Hausärzte angehört. Zu Beginn dieses Jahres wollte ich dann noch wissen, wie die Ärzteberater die Situation ihrer Schützlinge beurteilen.
Die Resonanz aus diesen Gesprächen war für mich überraschend. Man zeigte sich sehr wohl einsichtig, dass die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren schlechter geworden sind. Allerdings empfahl man den betroffenen Ärzten überwiegend, sich so gut wie möglich an die Situation anzupassen, da man ohnehin nichts ändern könne. Viele finanzielle Probleme der Ärzteschaft seien auch „hausgemacht“ und könnten durch optimierte Betriebsführung gelöst werden.

Umsatzausweitung nicht beliebig möglich

Der Satz eines Finanzdienstleisters „Allgemeinmediziner sollten sich in der Praxisgründungs- oder Übernahmephase heute schon auf ein reduziertes Nettoeinkommen von 2.500 bis 3.500 Euro netto einstellen“ im Rahmen eines Stammtisches hat sogar für einen rüden Leserbrief eines Arztes gesorgt, der jedoch aus rechtlichen Gründen nicht abgedruckt wurde.
So ist es auch für mich einmal an der Zeit, meine Einschätzung der Situation einerseits als Journalist, andererseits als auf dem Land lebender Familienvater zu äußern. Ich bin im Grenzgebiet Salzburg/Oberösterreich wohnhaft und mache dort mit Hausärzten und dem System persönlich etwas andere Erfahrungen als möglicherweise ein Wiener Patient.
Bei uns sind Praxen mit 700 bis 900 Scheinen gang und gäbe, aufgrund der Infrastruktur und Bevölkerungsentwicklung sind im Normalfall auch keine Möglichkeiten vorhanden, den Umsatz etwa im Selbstzahlerbereich beliebig auszuweiten. Das gilt aus meiner Sicht auch für typische Hausärzte in den meisten anderen Bundesländern.
Hinzu kommt eine in den meisten Bundesländern bestehende Deckelung und Limitierung ärztlicher Leistungen, die ich durchaus als patientenfeindlich bezeichnen würde. Mit den Einkommen, die heute aus einer hausärztlichen Ordination dieser Größenordnung erwirtschaftbar sind, liegt man in der Größenordnung von mittleren Angestellten.

Hausärztliche Versorgung muss bleiben

Von Angestellten, die de facto im Vergleich zu Ärzten keine Ausbildung brauchen und wenig Verantwortung haben. Schon gar nicht für einen Betrieb als Ganzes oder etwa für Leib und Leben.
Von oben herab und von den Kammern zugelassen, wird dann noch ein Bürokratiepaket drüber gestülpt, welches den Ärzten laut einschlägigen Studien bis zu 60.000 Euro pro Jahr kostet, nicht abgegolten wird und sich in weniger Zeit für den Patienten bei gestiegener Arbeitszeit und erhöhtem Arbeitsdruck sowie nochmals dramatisch gesunkenem Einkommen äußert.
Auch viele rechtliche Pflichten müssen dabei aus Zeitmangel oft vernachlässigt werden. Ich als Patient habe jedoch kein Interesse daran, dass die wichtige hausärztliche Versorgung rund um meinen Wohnort zusammenbricht.

Verhöhnung eines Berufsstandes

Ich habe Angst vor dem Zeitpunkt, wo mir die Allgemeinmediziner sagen, dass sie bestimmte elementare Leistungen aufgrund der verschlechterten Rahmenbedingungen nicht mehr anbieten können. Derzeit gibt es nämlich noch Hausbesuche oder kleine Wundversorgung, ohne die wir in dieser geografischen Region beispielsweise im Winter ein ernsthaftes Problem hätten.
Ich persönlich wünsche mir als Patient, dass vor Ort eine ordentliche Behandlung durchgeführt wird und will auch haben, dass Ärzte dafür ordentliche Rahmenbedingungen vorfinden und ordentlich bezahlt werden. Ich halte den Aufschrei der Hausärzte daher für begründet.
Ich teile die Meinung zahlreicher Ärzte, dass deren Beruf immer mehr abmontiert wird. Und zwar aus dem Grund, den die Verwalter bei den Sozialversicherungen Ökonomie nennen. Ich verstehe also den mir von Hausärzten gegenüber oft geäußerten Ausdruck der Verhöhnung eines Berufsstandes.

Rege Beteiligung erwünscht

Die Einkommensverhältnisse kippen meines Erachtens immer mehr. Ich fürchte mich wirklich vor dem Aussterben speziell der Hausärzte am Land. Was für mich derzeit noch keine Bedrohung darstellt. Ich bin nämlich weder alt noch krank noch arm. Aber mindestens einer dieser Zustände wird sich irgendwann auch bei mir mit Bestimmtheit einstellen.
Was soll diese möglicherweise von einigen Ärzten als Provokation empfundene Stellungnahme? Ich wünsche mir eine möglichst rege Beteiligung an der Fragebogenaktion „Hausarzt in Not“, die noch etwa drei Wochen läuft. Mit der Auswertung dieser Daten lässt sich eine Problemlösung in dieser Angelegenheit in jedem Fall unterstützen.
Wer noch keinen Fragebogen erhalten hat, kann diesen unter www.aerztewoche.at herunterladen und per Post oder Fax an die Redaktion der ÄRZTE WOCHE schicken. Zögern Sie auch nicht, mir Ihre Meinung zu diesem Thema auch unabhängig von dem Fragebogen per Mail zukommen zu lassen.

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