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Gesundheitspolitik 21. März 2007

Image der Kassenmedizin aufwerten

Kassenärzte und Allgemeinmediziner besitzen aufgrund ihrer bescheidenen Vertretung in der Kurie keine große Macht. Sie sind jedoch genau die Gruppe, die aufgrund ihrer Stellung und der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklung einer besonderen Vertretung bedarf. Vor allem eine faire Abgeltung der erbrachten Mehrleistungen wird als Wahlziel angestrebt.

Die Ärzte Österreichs gehen von Anfang März bis Ende April zu den Urnen. In allen Bundesländern zeigt sich hierbei alleine aufgrund der Mandatsverteilung das immer stärker werdende Ungleichgewicht zwischen angestellten und niedergelassenen Ärzten. In „ausgeglichenen“ Bundesländern haben die Klinikärzte nur eine geringfügig größere Anzahl an wahlberechtigten Ärzten und somit Mandaten, in anderen Bundesländern liegt die Aufteilung bei eins zu zwei oder noch ungünstiger für die Niedergelassenen. Doch auch in dieser Kurie bleibt kein Stein auf dem anderen: Die Wahlärzte sind ausnahmslos in jedem Bundesland auf dem Vormarsch.
Somit besteht Zugzwang für den Hausärzteverband, der erstens überwiegend Kassenärzte und zweitens mit Allgemeinmedizinern aufgrund der Anzahl innerhalb der Kurie eine wahltechnisch immer weniger bedeutende Art repräsentiert. Dies ist jedoch genau die Gruppe, die aufgrund ihrer Stellung und der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklung einer besonders sorgfältigen Vertretung bedarf.
Im Rahmen der Vorwahlberichterstattung mussten wir mit Bedauern feststellen, dass etwa in Oberösterreich ein wahltechnisches Engagement des Hausärzteverbandes für diese Periode gänzlich eingestellt wurde. Andere Bundesländer stellten nur die eigenständige Kandidatur ein (Salzburg und Burgenland) und kooperieren mit anderen etablierten Listen, die von den Kandidaten vor Ort für geeignet gehalten werden. Zur Gänze unbeeindruckt bleibt man in Wien, dort ist das Potenzial für eine reine Allgemeinmedizinergruppierung offenbar noch groß genug.

Interessanter Weg in Niederösterreich

Interessant ist der Weg des Hausärzteverbandes in Niederösterreich. Hier hat man Kassenfachärzte des Bundeslandes ins Boot geholt und kandidiert gemeinsam unter dem Namen „NÖ Kassenärzte“. Präsident Dr. Wolfgang Geppert hat als Wahlziel formuliert, stärkste Fraktion in der Kurie zu werden: „Wir Kassenärzte sind der Motor der Gesundheitsversorgung, insgesamt erbringen wir in Niederösterreich allein bei NÖGKK- und SVB-Patienten 14 Millionen Ordinationen und 500.000 Visiten pro Jahr.“
Image und vor allem die Stellung als Verhandlungspartner lassen jedoch zu wünschen übrig: „Wir gelten als Ärzte der Fünf-Minuten-Medizin und Patienten leiden unter den langen Wartezeiten.“ Geppert sieht die Gesundheitspolitik als Hauptverantwortlichen für die Situation: „Über Jahrzehnte zu Einzelkämpfern verdammt, wurden wir gegen unseren Willen in eine Massenabfertigung hineingedrängt.“
Als Ausweg sieht er die großzügige Legalisierung kassenärztlicher Kooperationsformen sowie eine faire Abgeltung der erbrachten Mehrleistungen: „Honorarreduktionen und Mehrbelastungen ohne Abgeltung darf es in der Zukunft nicht mehr geben.“ Die amtierenden Kammervertreter haben zwar lautstark gegen die Fehlentwicklungen in der Gesundheitspolitik gewettert, aber letztendlich den damit verbundenen Belastungen für die Vertragsärzte kleinlaut zugestimmt.

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