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Gesundheitspolitik 21. März 2007

Geld aus Reformpool für integrierte Krebsversorgung

In Niederösterreich wird auf vorhandene Erfahrungen aufgebaut und ein Projekt zur intensiveren onkologischen Versorgung umgesetzt, bei dem der niedergelassene Bereich eine große Rolle spielt.

Schon in den Jahren 2003 und 2004 wurde von Waldviertler Ärzten in Kooperation mit dem Krankenhaus Waidhofen, dem Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), Gebietskrankenkasse und Ärztekammer ein Pilotprojekt „onkologische Versorgung“ umgesetzt. Für die Mitarbeit verzichteten die Ärzte übrigens auf die Honorare – kürzlich konnten so 1.000 Euro an zwei Krebs-Selbsthilfegruppen übergeben werden.

Freiwillige Patiententeilnahme

Mit dieser Vorarbeit wurden auch die wesentlichen Grundlagen für ein ebenso gemeinsam getragenes Reformpoolprojekt geschaffen, das demnächst in der Pilotregion Waldviertel umgesetzt wird. Patienten können an diesem Projekt freiwillig teilnehmen – ein zentrales Ziel ist die Reduktion der Häufigkeit und Dauer der Spitals­aufenhalte sowie der nötigen Kontakte zu den Spezialambulanzen. „Entwickelt wurde eine standardisierte Betreuungsmappe in der sich alle Befunde und Arztbriefe finden und die vom behandelnden Hausarzt verwaltet wird“, erklärt Dr. Josef Dörrer, Arzt für Allgemeinmedizin in Dobersberg. Diese Mappe enthält zudem umfangreiche Informationen über Selbsthilfegruppen, psychosoziale Angebote, Formen der mobilen medizinischen und therapeutischen Versorgung und alle weiteren für den Patienten wichtigen Adressen.
Die Mappe ist Teil eines Case-Management-Konzeptes, das ebenso zur Vermeidung von Mehrfachbefundungen beitragen soll: Nach einer primären Einstellung im Krankenhaus Waidhofen erfolgen möglichst viele Schritte im niedergelassenen Bereich. Standardisiert ist dabei ebenso die Weitergabe der Informationen an den niedergelassenen Bereich. „So wird auch vermieden, dass ein Betroffener schon tagelang vor dem Beginn einer Chemotherapie im Spital sein muss.“ Denn, so betont Dörrer, es liegen schon alle nötigen Vorbefunde, auch im bildgebenden Bereich, bereits vor – diese entstanden allerdings im Umfeld einer wirklich wohnortnahen Versorgung. Zudem kann schneller eine Entlassung sowie weitere Betreuung im niedergelassenen Bereich erfolgen.
Ein wichtiger Teil des Konzeptes ist eine eigens eingerichtete „Onko-Hotline“, die bereits im Testbetrieb ist. Dieses Handy ist unter Woche rund um die Uhr durch Spezialisten des onkologischen Zentrums am Krankenhaus Waidhofen besetzt, „diese können niedergelassenen Ärzten im Bedarfsfall spezifische Auskünfte geben bzw., wenn nötig, beim Umgang mit auftretenden Schwierigkeiten unterstützen“, so Dörrer.
Für den Patienten würde sich so der Vorteil einer qualitativ hohen, standardisierten und integrierten Versorgung ergeben, bei der keine Lücken zwischen den verschiedenen Schritten der Diagnose, Behandlung und auch Rehabilitation entstehen. Er erspart sich zudem lange Spitalsaufenthalte, stundenlange Wartezeiten auf Befunde in den Ambulanzen sowie viele Fahrten ins Spital. „Er wird von den Ärzten, die er schon lange kennt und wo ein entsprechendes Vertrauensverhältnis vorhanden ist, betreut, was gerade in diesem Bereich der Medizin sehr wichtig ist“, unterstreicht Dörrer.

Datenschutzproblem gelöst

Insgesamt ist das Projekt aus seiner Sicht „eine Aufwertung gerade auch der Tätigkeit des niedergelassenen Allgemeinmediziners im onkologischen Bereich“.
Gelöst sind inzwischen auch die letzten Schwierigkeiten im Projekt: So wurde die Frage des ausreichenden Datenschutzes bei der Weitergabe der Befunde geklärt. Niedergelassene Ärzte erhalten Sonderkonditionen für die Abrechnung vor allem im Bereich des Labors, wo es sonst durch die Limitierungen zu starken Einbußen gekommen wäre bzw. beim nun intensiveren und vor allem häufigeren therapeutischen Gespräch.
„Auch auf diese Weise werden die Leistungen, die niedergelassene Ärzte in diesem Feld bringen, honoriert“, freut sich Dörrer.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 12/2007

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