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Gesundheitspolitik 21. März 2007

Gläserne Decke für Frauen

Der Frauenanteil beim Medizinstudium und Turnus wird immer höher – vor allem in leitenden Positionen sowie bei Vollzeitstellen im Kassenbereich sind Frauen aber nach wie vor die Minderheit. In Salzburg gibt es keine einzige Primarärztin.

Frauen sind am Beginn des Medizinstudiums mit 62 Prozent in der Mehrheit. Im Turnus sind es inzwischen 57 Prozent Frauen – Tendenz stark steigend. Aber dann ist auch im Medizinbereich eine „gläserne Decke“ für Frauen eingezogen. Beispiel Salzburg: An den Landeskliniken sind unter den OberärztInnen nur 27 Prozent Frauen, Primarärztin gibt es keine einzige. Auch im niedergelassenen Bereich sind Frauen nach wie vor in der Minderheit.
Ähnliche Daten ergab eine Studie, die Prof. Dr. Margarethe Hochleitner an der Medizinischen Universität Innsbruck 2002 durchführte.* Die Vizerektorin der Universität und Fachärztin für Innere Medizin war langjährige Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen. „Wir hatten über 70 Prozent Rücklauf – auch hier zeigt sich: In leitenden Stellen sind Frauen kaum zu finden.“

Habilitation als Hürde

Ein wesentliches Problem ist die Hürde der Habilitation, die eine Grundlage für jeden weitergehenden personellen Aufstieg oder gar eine Lehrtätigkeit darstellt. „Forschung ist nicht nur an unserer Universität quasi ein Privatvergnügen und kann oft nur in der Freizeit umgesetzt werden.“
Die Umfragen Hochleitners zeigen, dass viele Frauen „nebenbei“ auch Haushalt und Familie in einem hohen Ausmaß alleine bewältigen müssen. Diese Doppelbelastung macht Forschung oder eine Habilitation fast unmöglich – „sehr ernüchternde Antworten erhielten wir auf die Frage, wo sich die Frauen in 10 Jahren sehen – keine einzige konnte sich selbst als Professorin oder Primarärztin vorstellen.“

Kaum Freizeit

Die Doppelbelastung hat auch andere Konsequenzen: Eine hohe Zahl von Frauen gibt schon mit einem Durchschnittsalter von 34 an, unter starken physischen und psychischen Belastungen durch die Arbeit zu leiden. „Deutlich mehr Männer haben einen sehr großen Anteil an Freizeit, den sie selbstbestimmt gestalten können“, auf diesen geschlechtsspezifischen Unterschied weist Hochleitner hin.
Auch an der Universität Innsbruck gibt es Frauenförderungsprogramme – „wir haben auch gefragt, was sich Frauen wirklich wünschen, als Unterstützung wahrnehmen würden“. Die Antworten: Es braucht deutlich mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit sowie wesentliche größere Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten und der Veränderung des Ausmaßes der Beschäftigung – „eben auch um auf Anforderungen im privaten Bereich gut und auch rasch reagieren zu können.“ Ein weiterer Punkt betrifft die Kinderbetreuung – Kindergärten und vor allem auch Schulen haben sehr starre Schemata, die oft zu schweren Komplikationen mit den Dienstzeiten führen. Auch hier wird mehr Flexibilität gewünscht sowie Angebote für Wochenend- und Tagdienste. „Es gäbe durchaus leicht zu realisierende Möglichkeiten, Kinder z.B. im Bereich der Kinderklinik zu versorgen“, betont Hochleitner. An dritter Stelle folgt der finanzielle Aspekt – „viele Ärztinnen können es sich kaum leisten, Leistungen, etwa Hilfe im Haushalt, zuzukaufen“, fasst Hochleitner zusammen.

Projekt Arbeitszeiterfassung

Auf die Studienergebnisse aufbauend werden nun Möglichkeiten gesucht, dass Forschung und damit Habilitation auch in der „normalen Arbeitszeit“ möglich sind – derzeit läuft ein Projekt der Arbeitszeiterfassung. Dies wäre eine Maßnahme, von der letztlich auch die Männer profitieren würden.Hochleitner betont, dass die Antworten aus der Studie auch zentrale Gründe dafür sind, warum im niedergelassenen Bereich der Frauenanteil nicht so schnell im Anwachsen ist. Viele Medizinerinnen würden als Schulärztin oder in ähnlichen Teilzeitjobs tätig sein. Wichtig wären für Hochleitner die Ausweitung der Möglichkeit von Praxis-Sharing und dazu fördernde innovative Gestaltungsmöglichkeiten von Kassenstellen.

*„Hier hat niemand auf Sie gewartet!“ Frau in der Medizin. „Ärztinnenstudie“ 2002
ISBN 3-901249-73-7

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 12/2007

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