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Gesundheitspolitik 13. März 2007

Arbeitsmediziner gehen auf Tour

Wenn der Weg zum Doktor zu große Hürden aufweist, dann sollte der Arzt zum „Patienten“ kommen. Diesem Grundsatz folgen Arbeiterkammer Oberösterreich und der Arbeitsmedizinische Dienst Linz mit dem Projekt „Mobiler Gesundheits-Check für Betriebe“.

In einer kürzlich präsentierten Studie im Land Salzburg gaben zwei Drittel der Befragten an, dass es in ihrem Betrieb keinerlei betriebliche Gesundheitsförderung gebe. Als Hauptprobleme werden Stress und Rückenschmerzen angeführt. Auffällig oft kommen Augenbeschwerden, Hautprobleme, Rheuma und Schlafstörungen vor, gefolgt von Herz-, Kreislaufbeschwerden, Angstzuständen und Depressionen. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat Probleme mit der Bildschirmarbeit und mit Lärm am Arbeitsplatz. Betriebliche Gesundheitsförderung könnte viele dieser Belastungen vermeiden bzw. einen besseren Umgang damit ermöglichen. Dadurch sei eine deutliche Reduktion von Krankenständen zu erwarten, sind Arbeitmediziner überzeugt. Der größte Nachholbedarf besteht bei den Klein- und Mittelbetrieben bzw. im Gastgewerbe und in der Baubranche.

Gründe für mobiles Angebot

Der überwiegende Teil der berufstätigen Bevölkerung findet sich in Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern. Einmal pro Jahr erfolgt eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung in diesen Betrieben durch die AUVA. „Dabei werden aber nicht die vorgeschriebenen Untersuchungen durchgeführt, sondern es wird lediglich festgestellt, dass diese z.B. aufgrund spezifischer Belastungen oder des Umgangs mit gefährlichen Arbeitsstoffen erforderlich sind“, erklärt Mag. Otmar Grießl, Leiter eines gemeinsamen Projekts von Arbeiterkammer Oberösterreich und Arbeitsmedizinischem Dienst Linz. Als „Mittel zum Zweck“ wurde ein Gesundheitsmobil angekauft und ausgestattet, das zu den Unternehmen vor Ort kommt. Die Ausstattung ermöglicht Spirometrie, Audiometrie, Sehtests, Blutabnahme bzw. Standarduntersuchungen wie die Messung des Blutdrucks. Mit an Bord sind ein Arbeitsmediziner sowie eine diplomierte Pflegekraft.

Im Interesse der Firmen

„Ausgangspunkt war ein auch von den Unternehmen artikulierter Nachholbedarf bei den vorgeschriebenen medizinischen Un-tersuchungen“, berichtet Grießl. Dafür fehlten und fehlen vor Ort oft die entsprechend ausgestatteten Räumlichkeiten. Arbeitnehmer mussten deshalb oft zu Arbeitsmedizinern geschickt werden, was hohe Ausfallzeiten und Fahrtkosten verursachte und eine hohe Barriere darstellte. „Für die Firmen ist der Einsatz des Gesundheitsmobils meist kostenlos, da wir ein Abkommen über Direktverrechnung mit der AUVA haben, das die meisten Untersuchungen abdeckt“, so Grießl. Unmittelbar nach Projektstart gebe es bereits Anfragen einiger Unternehmen, die ersten Erfahrungen seien sehr positiv. Langfristig soll das Projekt zwei Arbeitsmedizinern eine fixe Arbeitsstelle bieten.

Hohe Erwartungen

Zielsetzung der Initiatoren ist die Verbesserung des Bewusstseins für betriebliche Gesundheitsförderung. Davon, so Grießl, würde der Betrieb in ökonomischer Hinsicht profitieren, weil die Zahl der Krankenstandstage sinke, außerdem sei eine positive Auswirkung auf das Arbeitsklima zu erwarten. Im Rahmen des Projekts werden Unternehmen auch Gesundheitstage angeboten, bei denen das Gesundheitsmobil zum Einsatz kommt. „Im Vordergrund steht“, so Grießl, „der Aspekt der Gesundheitsförderung. Mit den Unternehmen wird bereits im Vorfeld geklärt, welche konkreten Belastungen jeweils relevant sind bzw. mit welchen gefährlichen Arbeitsstoffen die Mitarbeiter in Berührung kommen.“ Dann werde ein Schwerpunkt ausgewählt, etwa das Heben und Tragen großer Lasten oder das Ernährungsangebot im Betrieb inklusive Analyse der Betriebskantine. Fixe Themenschwerpunkte sind auch Sicherheit am Arbeitsplatz, Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen sowie der Umgang mit Stress und Mobbing. Dazu bietet die Initiative Vorträge und Workshops an.

Web-Infos zum Projekt auf www.gesundheits-check.at.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 11/2007

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