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Gesundheitspolitik 6. März 2007

In Niederösterreich fehlen 350 Spitalsärzte

Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz bleibt ein ungelöstes Problem. Dessen Einhaltung würde in NÖ 350 Ärzte mehr erforderlich machen.

„Rund 350 zusätzliche Spitalsärzte wären in Niederösterreichs Krankenhäusern nötig, wenn wir unseren medizinischen Betrieb und alle derzeitigen Leistungen aufrecht erhalten und gleichzeitig das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz mit den ohne Betriebsvereinbarung möglichen Arbeitszeiten einhalten würden“, erklärte vergangene Woche Dr. Gerhard Schuh, Vertreter der angestellten Ärzte in der NÖ Ärztekammer und Oberarzt auf der Unfallchirurgie im Krankenhaus St. Pölten. Derartig viele Ärzte kurzfristig für Niederösterreichs Spitäler zu bekommen, ist jedoch völlig unrealistisch.

Neue Betriebsvereinbarungen

Um weiterhin die medizinische Versorgung in gleicher Form aufrecht erhalten zu können, wurden nun in allen Krankenhäusern Niederösterreichs – mit Ausnahme von St. Pölten – entsprechende Betriebsvereinbarungen abgeschlossen. Das bedeutet: Die meisten Behandlungen können nach wie vor ausschließlich durch massive Überstunden der Ärzte erfolgen. Nur durch die Bereitschaft, länger als im Rahmen des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes ohne Betriebsvereinbarung zu arbeiten, ist die Versorgung der Patienten auch in Zukunft gewährleistet. Das Krankenhaus St. Pölten befindet sich derzeit in einer Spezialsituation, in welcher noch zwei strittige Punkte zwischen dem Land NÖ und den dortigen Spitalsärzten geklärt werden müssen. Dazu Schuh: „Die Verhandlungen in den nächsten Tagen werden zeigen, ob es gelingt, diese Bereiche partnerschaftlich zu lösen. Ich persönlich bin zuversichtlich, dass wir dies auch in St. Pölten schaffen werden.“ Laut Schuh hat sich die Situation in den niederösterreichischen Spitälern in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert: „Während die Anzahl der Operationen und der behandelten Patienten um mehr als 25 Prozent nach oben ging, wurden gleichzeitig zum einen 10 Prozent der Krankenhausbetten abgebaut, zum anderen hat sich die Aufenthaltsdauer in den Spitälern dramatisch reduziert.“ Trotz dieser Entwicklung ist die Anzahl der Spitalsärzte in keinem adäquaten Verhältnis gestiegen. Die Folge: Mehr Patienten, mehr Operationen und kaum mehr Ärzte.

Ein paar Jahre Aufschub

„Dieser Situation wird man in den nächsten Jahren Rechnung tragen müssen“, betonte Schuh. Speziell in den so genannten Mangelfächern, wie Anästhesie, Kinderheilkunde oder Neurochirurgie, müssten konstruktive Modelle gemeinsam vom Land NÖ und Ärzten entwickelt werden. Diese sollen für Ärzte einen Anreiz bieten, in einem niederösterreichischen Spital tätig zu werden. In Kürze soll die NÖ Landesregierung das neue Spitalsärztegesetz beschließen. „Dieses ist ein konstruktiver, aber nur erster Schritt auf dem Weg, den NÖ-Spitalsärzten ein ihrer zwölfjährigen Ausbildung und unmittelbaren Verantwortung entsprechendes Grundgehalt für 40 Stunden pro Woche zu ermöglichen“, so der Vertreter der Spitalsärzte abschließend.

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