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Gesundheitspolitik 28. Februar 2007

Hürdenlauf „Integrierte Versorgung“

Oft kommt es zu Brüchen zwischen Spitalsaufenthalt und Betreuung im niedergelassenen Bereich. Das Konzept der „Integrierten Versorgung“ versucht Brücken zu schlagen und zu vernetzen.

Im Regierungsprogramm wird der „integrierten Gesundheitsversorgung“ große Bedeutung beigemessen. Für Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky ist damit gemeint, „dass Vorsorge, Diagnose, Behandlung, Rehabilitation und Pflege gut koordiniert sind und es zu keinen Lücken oder Brüchen in dieser Kette kommt“. Inzwischen versuchen einige Projekte – verteilt auf mehrere Bundesländer – diesen Ansatz zu verwirklichen (siehe Kasten).

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Doch es gibt auch einige Hürden. „Ein Grundproblem ist die duale Finanzierung. Volkswirtschaftlich gesehen wäre es oft sinnvoller, mehr Leistungen im niedergelassenen Bereich zu erbringen bzw. Kooperationen zu intensivieren. Durch die gedeckelte Finanzierung im Spitalsbereich besteht aber Widerstand, dass anderswo zusätzliche Kosten entstehen“, sagt Mag. Karin Eger, Leiterin der Abteilung Gesundheitspolitik und Prävention der Wiener Gebietskrankenkasse. Das „Füllhorn“ Reformpool soll die Konzepte mit Leben erfüllen. Ein Hemmschuh dabei ist allerdings, dass es keine zusätzlichen Mittel gibt – es wird lediglich Geld verschoben. Oft ist ein „Reformpoolprojekt“ bloß die Fortsetzung vorhandener Ansätze und bringt kaum neue Bewegung ins System.

Mehr Vertrauen wäre gut

„Dazu kommt, dass die involvierten Akteure bei der Koopera-tion oft zurückhaltend sind“, analysiert Eger. Ein zentrales Problem sei der Austausch von Daten; keiner ließe den anderen wirklich tief in die Karten schauen. „Integrierte Versorgung braucht als Grundlage aber die gemeinsame Nutzung von Daten“, betont Eger. Die nötige gegenseitige Vertrauensbasis entstehe erst allmählich, ebenso Strukturen, die Kooperationen institutionell fördern. Die Wiener GKK hat ein „Bundesweites Competence-Center für integrierte Versorgung im Gesundheitswesen“ eingerichtet. Dieses soll in ganz Österreich vorhandene Modelle und Ansätze dokumentieren und vernetzen. Gefördert wird auch die Umsetzung von Projekten wie jenes zur integrierten Versorgung von Menschen mit Diabetes Typ 2 in allen Bundesländern. Für Eger ist wichtig, dass ein Projekt im Sinne der integrierten Versorgung auch seinen Namen verdient „und nicht nur ein Mäntelchen umgehängt bekommt, unter dem wenig Konkretes zu finden ist“.

Mindeststandards festlegen

Eine Aufgabe des Competence Centers besteht darin, einheitliche Mindeststandards zu formulieren. Wesentliche Kriterien sind – unter anderem – klar definierte Schnittstellen zwischen den Versorgungsbereichen, Richtlinien für die Kommunikation und Leitlinien für den gesamten Verlauf der Behandlung. Dies soll beispielsweise Mehrfachuntersuchungen sowie Brüche im Verlauf zwischen Vorsorge, Diagnose, Behandlung und Rehabilitation vermeiden. Eger: „Gut vorbereitete, gemeinsam umgesetzte und evaluierte integrierte Versorgung bringt – das zeigen nationale und internationale Beispiele – zumindest eine Verbesserung der Prozess- und Ergebnisqualität im Sinne der Patienten.“ Schließlich sollten die diversen Projekte auch Selbstverantwortung und Compliance der Patienten fördern. Mittel zum Zweck sind gute Informationspolitik, Schulungen – wie etwa bei der Diabetikerbetreuung – sowie Lebensstilberatung. Das deklarierte Ziel lässt keine Wünsche offen: die nachhaltige Verbesserung der gesamten Lebensqualität. Für Eger dürfen all diese Aktivitäten „keine Eintagsfliegen bleiben, sondern müssen tatsächlich eine langfristige Veränderung der Vorgangsweise bewirken“.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 9/2007

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