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Gesundheitspolitik 13. Februar 2007

Kaum Interesse an Honorarbonus

Niederösterreichische Ärzte haben seit einigen Monaten die Möglichkeit, der Kasse Patientengespräche zur Compliance bei verordneten Medikamenten gesondert zu verrechnen. Der bisherige Erfolg der Aktion ist aber ernüchternd.

Im Juli des Vorjahres startete in Niederösterreich ein einjähriges Pilotprojekt von Ärztekammer und Gebietskrankenkasse unter dem Titel „Pillen sprechen nicht mir Dir …“. Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin dürfen nun theoretisch bei 20 Prozent ihrer Patienten ein umfassendes Gespräch über die richtige Verwendung von Medikamenten abrechnen. Bei niedergelassenen Internisten und Pädiatern mit Kassenvertrag gilt dieser Bonus für maximal acht Prozent der Patienten pro Quartal. Hauptziel des Projekts war und ist eine spürbare und nachhaltige Senkung der Medikamentenkosten. Noch stärker als bisher sollten Generika verschrieben bzw. mehr Medikamente auch tatsächlich eingenommen werden und nicht im Abfalleimer oder der berühmt- berüchtigten Schublade im Nachtkästchen enden. Gleichzeitig haben sich die Initiatoren durch die Honorierung dieser Gespräche eine Verbesserung der Behandlungsqualität erwartet.

Erste ernüchternde Bilanz

Nach sieben Monaten Laufzeit ist die erste Bilanz „leider eher ernüchternd“, analysiert Dr. Johann Jäger, Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte. Die Monate aus dem alten Jahr sind mittlerweile abgerechnet: Weder nahmen viele Ärzte die Möglichkeit wahr, ein Gespräch zu verrechnen, noch sanken die Medikamentenkosten. Letztlich hat sich der vorherige Trend einfach weiter fortgesetzt. „Allerdings ist zu sagen, dass die wirklich intensive Informationsarbeit zum Projekt mit Viertelversammlungen und Bezirksärzteveranstaltungen erst im November und Dezember lief“, gibt Jäger zu bedenken. „Das sehr gut gestaltete Referat zum Thema kam bei den Ärzten sehr gut an.“ Dennoch hat sich der Kurienobmann rascher einen vorzeigbaren Effekt der groß präsentierten Kampagne erwartet. Dass es so lange dauert, den einzelnen Arzt zu erreichen bzw. zum Mitmachen zu motivieren – auch damit habe er nicht gerechnet. Nun richtet sich die Hoffnung der Initiatoren auf eine Trendwende in den kommenden Monaten: ab Jänner 2007 gerechnet noch sechs, dann wird evaluiert. Ob Sinn und Zweck dieser als „außergewöhnlicher Verhandlungserfolg“ präsentierten Aktion eine Bestätigung von Seiten der Ärzte finden, wird sich dann wohl zeigen.

Appell zum Mitmachen

Jäger appelliert deshalb an die niederösterreichische Kollegenschaft, „die große Chance dieses Projektes und dieses sehr unmittelbaren Arzneidialogs zu nutzen“. Grundsätzlich gebe es bei den etwa 1.200 Kassenvertragsärzten durchaus Verständnis und Interesse für das Projekt, allerdings „gepaart mit einer gewissen Vorsicht und Unsicherheit, ob und wie das alles umgesetzt werden kann“, so Jäger. Ein Grundproblem der Umsetzbarkeit könnte darin liegen, dass Patienten in Spitälern neue Medikamente sowie Heilmittel bekommen, auf deren Wirksamkeit sie vertrauen. Entsprechend hoch wäre dann auch der Druck auf den niedergelassenen Arzt, diese weiter zu verschreiben, was wiederum die Kosten ankurbelt. „Jedenfalls“, so Jäger, „ist die Argumentation gegenüber dem Patienten oft mühsam, warum nun ein Generikum bzw. ein anderes, günstigeres Medikament zu verwenden sei.“ Deshalb wäre es notwendig, dass solche Projekte auch gesundheitspolitisch bzw. von den Krankenhausträgern unterstützt werden. Dass aus dem niederösterreichi-schen Pilotprojekt eine Dauereinrichtung wird, wie bei der Pressekonferenz im Juni 2006 von allen Seiten erhofft, dafür stehen die Zeichen jedenfalls eher schlecht.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 7/2007

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