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Gesundheitspolitik 13. Februar 2007

Schwächen der e-Card beheben

Bei etwa 2.300 Patienten täglich gibt es keine Auskunft über die Anspruchsberechtigung. Dies sei laut Ärztekammer für Wien aber nur eine der Ärzte- und Patienten-feindlichen Systemkomponenten.

Laut Hauptverband ist alles paletti. „In praktisch 100 Prozent der Patientenkontakte mit der e-Card wird der Versicherungsstatus problemlos rückgemeldet“, wurde kürzlich verlautbart. Diese „Rea-litätsverweigerung und Schönfärberei“ kritisierte vergangene Woche der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Dr. Johannes Steinhart: „Das vom Vorstandsvorsitzenden des Hauptverbandes, Erich Laminger, als hervorragend funktionierend propagierte e-Card-System ist sowohl patienten- als auch ärztefeindlich.“ Die Ärztekammer fordert eine adäquate Erweiterung der viel zu kurzen Nachsteckfristen sowie eine ersatzlose Streichung der Regelungen, die für 2009 vorsehen, bei jedem Arztbesuch die e-Card stecken zu müssen.“ Die Realität sieht so aus: Vergisst ein Patient die e-Card bei einem Arztbesuch am Ende des Monats, hat er genau zwei Wochen Zeit, sie nachzubringen. Schafft er das aus irgendeinem Grund nicht in diesem zeitlichen Rahmen, wird dem Arzt die Zahlung des Honorars verweigert – er muss dem Patienten die Behandlung privat verrechnen. „Das ist eine für Ärzte wie Patienten unerträgliche und unfaire Situation“, kommentiert Steinhart. Besonders gefährdet seien geringfügig Beschäftigte, Studenten, Arbeitslose, Neugeborene und EU-Ausländer. Bei geringfügig Beschäftigten müsse der Arbeitgeber deren Einstellung erst Ende des Monats melden. „Es kann passieren, dass diese Menschen bis zu einem Monat gänzlich unversichert sind“, so Steinhart. Die von Laminger verlautbarten 0,4 Prozent aller Patientenkontakte, die in den Ordinationen von Vertragsärzten Probleme bei der Prüfung der Anspruchsberechtigung verursachen, betreffen bei 580.000 Patientenkontakten pro Tag österreichweit immerhin über 2.300 Patienten. „Das ist die Bevölkerungsanzahl von Stegersbach, das muss man sich einmal vorstellen! Und Herr Laminger tut so, als ob das ein kaum vorhandener Prozentsatz ist“, ärgert sich Steinhart. „Hätte eine Bankomatkartenfirma eine ähnliche Quote, bekäme sie sicherlich massive Schwierigkeiten mit ihren Geschäftskunden.“ „Wenn der Hauptverband die Nachsteckfristen erweitert und besagte Regelung für 2009 ersatzlos streicht, bin ich guter Dinge“, so Steinhart, „dass wir bald wieder ein System haben, das den Namen Sozialversicherung verdient.“

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