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Gesundheitspolitik 6. Februar 2007

Wundmanagement kommt zu kurz

Die fachgerechte und interdisziplinäre Versorgung von Wunden wird immer mehr aus den Spitälern hinaus verlagert. Dort fehlen aber maßgebliche Voraussetzungen, unter anderen eine adäquate Honorierung der Ärzte und profunde
Fachkenntnis.

„Sowohl in der universitären Ausbildung als auch im Turnus findet das Thema Wundmanagement viel zu wenig Beachtung“, meint Prof. Dr. Gerald Zöch, Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung (www.a-w-a.at) und Oberarzt an der Chirurgie des Donauspitals SMZ-Ost in Wien. Es gebe zwar Überlegungen, zumindest im Studium das Thema stärker zu integrieren, nötig wären aber vor allem auch strukturierte Akzente in der Weiterbildung. Seit einigen Jahren bietet die Akademie der Ärzte bei den Ärztetagen in Grado das Thema an, das dort laut Zöch „auch regen Zuspruch“ findet. Am SMZ-Ost wird derzeit an der Umsetzung eines Projekts gearbeitet, ab Herbst 2007 sollen regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für niedergelassene Ärzte angeboten werden. Das Projekt wird auch bei der Wiener Landesplattform eingereicht, um Mittel aus dem Reformpool zu lukrieren. Professionelles Wundmanagement ist oft ein über Monate laufender Prozess, insbesondere wenn es um Patienten mit Pflegebedarf oder mit Venenerkrankungen bzw. Diabetes geht. „Durch die kürzeren Aufenthaltszeiten im Spital gewinnt Wundmanagement im extramuralen Bereich an Bedeutung“, sagt Zöch. Daher sei die Kompetenz der Hausärzte zunehmend gefragt bzw. die intensive Zusammenarbeit mit der Hauskrankenpflege.

Kooperation mit Pflege

„Ausgangspunkt ist immer die ärztliche Anordnung“, betont Zöch. Diese sollte aber auf einer fundierten Grundlage erfolgen. „Es gilt, nicht nur die Wunde singulär zu betrachten, sondern während der gesamten Behandlung den gesamten Gesundheitszustand des Patienten im Blick zu haben.“ Wichtig dabei sei auch die kontinuierliche und enge Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal. Ähnlich sieht das der diplomierte Krankenpfleger Gerhard Kammerlander, der eine „Akademie für zertifiziertes Wundmanagement“ (www.wfi.ch) betreibt. Diese bietet auch Kurse für Ärzte an und betreibt unter anderen ein „Wundkompetenzzentrum“ in Linz, in dem Ärzte und Pflegepersonal eng kooperieren.

Kassen zahlen zu wenig

Die Problematik hat für Kammerlander auch eine gesundheitspolitische Seite: „Das professionelle Anlegen und Wechseln von Verbänden ist oft sehr zeitaufwändig und wird derzeit von den Kassen viel zu gering honoriert. Für niedergelassene Ärzte rechnet sich diese Tätigkeit nicht wirklich.“ Viel werde im Rahmen der Hauskrankenpflege gemacht, wo aber sowohl hohe Kompetenz der Ausführenden als auch der Anordner gefragt sei. „Der Behandlungsplan sollte gemeinsam erstellt werden“, betont Kammerlander. In Alten- und Pflegeheimen sowie spezialisierten Spitalsabteilungen „gibt es immer wieder Fälle, die das dortige Personal überfordern“, meint der Krankenpfleger. Deshalb wäre einerseits verstärkte Fortbildung nötig, andererseits aber in ganz Österreich auch Einrichtungen wie das Wundkompetenzzentrum in Linz, wo komplexe Fälle begleitet werden. Dessen Hauptzielrichtung sei, das begleitende Team so zu instruieren, dass das Wundmanagement schließlich wieder im Heim, Spital bzw. in der Hauskrankenpflege erfolgen kann. Zöch steht dieser Forderung allerdings skeptisch gegenüber: „Gefragt ist vielmehr, gleichsam eine gemeinsame Sprache bei der Wundversorgung zu finden sowie eine strukturierte Fortbildung.“ Genau hier setzt das Konzept der „Österreichischen Akademie der Ärzte“ an. Im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer hat Akademie-Präsident Dr. Wolfgang Routil (www.arztakademie.at) eine interdisziplinäre Expertengruppe eingeladen, ein einheitliches Curriculum für spezielle Fortbildung zur „ärztlichen Wundbehandlung“ zu erstellen. Nicht die Wunde allein sei zu behandeln, sondern der ganze Mensch mit seinen Grunderkrankungen und Komorbiditäten. Die Gesellschaft für Wundbehandlung hat ihrerseits eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gegründet, „in der es um die Ausarbeitung und Aufbereitung von Behandlungspfaden für die Wundversorgung von der Prävention bis zur Reintegration geht“ (Zöch). Auch diese sollen die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal fördern, ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Behandlung des diabetischen Fußes.

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