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Gesundheitspolitik 1. Februar 2007

Wie sicher sind Patientendaten?

Als einen „massiven Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis“ wertet der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Dr. Johannes Steinhart, die zukünftigen Projekte im Bereich von e-Health, etwa die elektronische, lebensbegleitende Gesundheitsakte (ELGA), e-Rezepte oder e-Überweisungen.

Ein heißes Eisen fasste vergangene Woche die von Ärztekammer Wien und ORF veranstaltete HOT DOC-Podiums- und Publikumsdiskussion im Radiokulturhaus an: „Wie sicher sind Patientendaten? – Die Angst vor Missbrauch in der Medizin.“ Mit seinem Appell nach mehr Vorsicht und der Forderung, dass der Patient „alleiniger Herr über seine Daten bleiben muss“, stieß Steinhart nicht bei allen Diskussionsteilnehmern auf breite Zustimmung. So betonte etwa Prof. Dr. Walter Hruby, Vorstand des Instituts für Röntgendiagnostik im SMZ Ost/Donauspital, er erlebe selbst, dass Informationstechnologien – sinnvoll und gesetzeskonform als Werkzeug eingesetzt – die medizinischen Möglichkeiten verbessern. „Patientendaten sind so sicher, wie wir mit ihnen umgehen“, so Hruby. Im Donauspital arbeite man seit 15 Jahren mit einem vollkommen digitalen und vernetzten Informationsnetzwerk. Im Akutfall könne die sofortige Verfügbarkeit der Gesundheitsdaten des Patienten sogar lebensrettend sein.

Ärztekammer als Garant?

„Je mehr Personen Zugriff auf Befunde haben, desto größer wird die Gefahr, dass diese Daten irgendwann einmal zum Nachteil der Patienten verwendet werden“, warnte hingegen Steinhart. Um den Datenschutz und die Privatsphäre der Patienten zu gewährleisten, müsste die Verwaltung aller Daten im Bereich der Ärzteschaft bzw. der Ärztekammer bleiben.
Der Schutz vor beabsichtigten Angriffen müsse auf drei Säulen basieren, erklärte DI Thomas Hrdinka, e-Health-Beauftragter der Ärztekammer für Wien: „Technik, organisatorische Maßnahmen sowie Rechtsgrundlagen.“ Am Beispiel von ELGA sei ersichtlich, dass die vorgestellten technisch-organisatorischen Maßnahmen „eher mangelhaft als nützlich erscheinen“. „Die Problematik der fehlenden Rechtsgrundlagen ist bekannt und deshalb ein eigenes ELGA-Gesetz geplant“, so Hrdinka.
Bei der Sicherheit von Medizindaten müssten zudem zwei Aspekte beachtet werden, ergänzte Mag. Gerhard Holler, Geschäftsführer der Peering-Point-BetriebsGesmbH, nämlich „Sicherheit beim Transport und Sicherheit bezüglich des Ziels“. Besondere Vorsicht scheint tatsächlich vonnöten zu sein, denn: „Gesundheitsdatenschutz wird heute definitiv umgangen, beispielsweise durch Listen aller Krankenstände und aller ärztlich verordneten Medikamente im AMS-Klienten-Akt“, so der Wiener Allgemeinmediziner Dr. Hans-Joachim Fuchs.

Sicherheit beim Hausarzt?

Als Alternative stellte er das Hausarztmodell vor: Hausärzte und niedergelassene Fachärzte halten ihre aktuellen und vollständigen Aufzeichnungen über jeden Patienten vertraulich. Auf Wunsch des Patienten würden Kopien erstellt. Für Notfälle seien Ausweise, etwa für Allergien, Herzschrittmacher oder Impfungen, beim Personalausweis schnell verfügbar. Ein weiterer Vorteil: „Das Modell existiert bereits und kostet nichts“, so Fuchs.

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