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Gesundheitspolitik 1. Februar 2007

ÄWOScop: "Eine blöde Geschichte"

Weil es in Österreich offene Universitäten gab, während andere Länder mit Studienplätzen restriktiv waren, kam es dazu, wozu es im „EU-Inland“ kommen musste: Besonders die medizinischen Fakultäten erfreuten sich des besonderen Andranges aus dem nördlichen Nachbarland.
Nachdem es vorher schon ziemlich eng war, wurde es noch enger. Manchen blieb ob der langen Wartezeiten für Prüfungen, Seminare, Famulaturen etc. die Luft weg. Überfüllte Hörsäle und stattliche Prüfungsgelder waren nicht aller Vorteil. Es musste eine Zugangsregelung her. Leider wurde es eine, die den Herrschaften in Brüssel missfällt. Eine blöde Geschichte.
Halb so schlimm: Es wurde verlautet, man werde mit Brüssel streng verhandeln! Der „neugeborene“ Wissenschaftsminister jettete sofort zur Ressortkollegin nach Berlin, um dort eine gemeinsame Lösung einzufordern. Mit Erfolg: Frau Minister Schavan tat kund, sie werde unser Anliegen in Brüssel unterstützen. Super.
Wie wäre es, wenn im EU-Inland alle ihre Ärzte selber ausbilden? Da hat man ohnehin schon genug am Hut. Und erst recht, wenn sich die frisch gebackenen Studienabgänger nach oft 14 und mehr Semestern gleich in der nächsten Warteschleife wieder finden.
Mittlerweile nähern wir uns in Wien wieder einer Wartezeit von drei Jahren. Ach ja – und dann wollen die KollegInnen eine Facharztausbildungstelle oder einen definitiven Spitalsjob oder vielleicht gar eine Praxis mit Kassenvertrag. Alles kein Problem. Ein bisschen Zulegen werden wir schon noch können.
Die Statistik gibt uns recht: 1960 kamen auf 100.000 ÖsterreicherInnen noch 145,2 praktizierende Ärzte. 1980 waren es schon 250,2. Seither hat sich die Zahl angeblich schon fast verdoppelt. Damit liegen wir im europäischen Spitzenfeld. Schon wieder super. Leidig ist lediglich, dass die Gesundheitsbudgets nicht im selben Maße wachsen, um den Ärzten in der Zukunft noch jenes Ein- und Auskommen zu sichern, dass man anno dazumal gewohnt war.
Besondere Unterstützung in dieser Situation finden Medizinstudenten, Medizinabsolventen und praktizierende Ärzte seitens des immer und stets hilfreich Ratschläge erteilenden Medizinökonomen Christian Köck. Mutig widerspricht er der Darstellung der Regierung, weil er nicht deren Meinung teilt, dass ein Fallen der Quotenregelung beim Medizinstudium einen Ärztemangel nach sich zöge.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 5/2007

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