zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 1. Februar 2007

Spital nutzt niedergelassenes Institut

In Zell am See hat sich die Zusammenarbeit zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich in der Radiologie schon lange bewährt. Die nun erfolgte gemeinsame Anschaffung und Nutzung eines teuren Geräts wäre auch in anderen Regionen umsetzbar.

Gerade in Gebieten abseits der großen Zentren weist die wohnortnahe radiologische Versorgung Mankos auf. Im südlichen Salzburg steht jetzt Kooperation am Programm. Der niedergelassene Radiologe Dr. Siegfried Silli arbeitet seit 1993 mit dem Krankenhaus Zell am See zusammen. In seiner radiologischen Ordination betreut er auch ambulante und stationäre Patienten. Er garantiert Verfügbarkeit rund um die Uhr. Zum Gerätebestand gehörte immer schon ein CT, „aber nach sieben Jahren Betriebszeit stand eine Erneuerung an“, berichtet Silli.
Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Im Krankenhaus Zell am See war vor zwei Jahren eine eigenständige radiologische Abteilung eingerichtet und auch personell entsprechend ausgestattet worden. „Trotzdem“, so Silli, „ist mein Verhältnis mit der Krankenhausleitung und dem Team weiter sehr gut; eine wichtige Voraussetzung für die Kooperation, die nun entstanden ist.“
Nach langen Verhandlungen und Diskussionen wurde beschlossen, gemeinsam einen neuen 64-Zeiler-CT anzuschaffen, das im Institut von Silli steht. Gewollt war „ein Gerät der Spitzenklasse sowohl in Bezug auf den Preis als auch auf die Leistung“, berichtet Silli. Weder das Krankenhaus noch der niedergelassene Facharzt hätte sich allein ein CT dieser Leistungsklasse leisten können.
Die mit dem 64-Zeiler erzielbare Spitzenqualität der bildgebenden Diagnostik und der hohe Nutzungsgrad kommen den Patienten zugute. „Die Neuanschaffung wird aber auch zu einer deutlichen Reduktion von sonst nötigen Untersuchungs-Eingriffen beitragen“, betont der Radiologe. So lassen sich z.B. Herzkranzgefäße bis in die Seitenäste hinein abbilden, der Einsatz eines Katheters wird vermieden. Bei Vorgänger-CT-Geräten sind zudem drei extra Untersuchungsdurchgänge nötig. Mit dem 64-Zeiler kann eine Untersuchung von Kopf bis Fuß innerhalb von 30 Sekunden erfolgen. „Damit ergibt sich ein insbesondere für die Notfallmedizin wichtiger Zeitvorteil“, freut sich Silli.
Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller und Salzburgs Ärztekammerpräsident Dr. Reiner Brettenthaler loben unisono diese Art der Kooperation, „die zu einer kostengünstigen und wohnortnahen Versorgung beiträgt“. „Das Projekt hat aus meiner Sicht auch Vorbildcharakter für andere Regionen in Österreich“, meint Brettenthaler. „Denn hier wird auch dem im Regierungsprogramm angeführten Ziel der sektorenübergreifenden Nutzung der Medizintechnologie entsprochen.“

Eigene Gesellschaft gegründet

Der neue CT hat nach wie vor einen extramuralen Status. Eigenes Personal kommt zum Einsatz bzw. müssen alle anfallenden Kosten von dem eigenes gegründeten Träger „Gesellschaft für Digitale Diagnostik“ getragen werden. Dieser gehören neben Silli als Gesellschafter auch die Stadt Zell am See an.
Auch das Spital weist Patienten der „Ordination im Haus“ zu. „Es kommt also nicht automatisch sofort zu einer stationären Aufnahme bzw. ist diese nicht zwingend Voraussetzung für eine Abklärung mittels CT“, betont Silli. Insofern würde auch kein Konkurrenzverhältnis entstehen bzw. Angst aufkommen, einer könnte dem anderen Patienten abspenstig machen.
Der Radiologe kann sich ähnliche Lösungen auch in anderen Regionen Österreichs vorstellen. Voraussetzungen wären neben dem guten Verhältnis der Beteiligten „auch die Bereitschaft, gemeinsam in medizinische Spitzentechnologie zu investieren und diese im gegenseitigen Einverständnis optimal zu nutzen“. Ähnliche Modelle wären generell überall umsetzbar.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben