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Gesundheitspolitik 23. Jänner 2007

Ärzte – Wo sind die Schwerarbeiter?

Dieser Tage flatterte jenen Ärzten, die als Dienstgeber firmieren, eine Information der Gebietskrankenkasse ins Haus, die sie über ihre Pflicht informiert, Schwerarbeitszeiten im Sinne der Verordnung der (Ex-)Bundesministerin (Haubner) für soziale Sicherheit und Generationen an die zuständige Krankenkasse zu melden. Ein weiteres Beispiel ministerieller Arbeitsbeschaffung. Das kennen wir schon.
Neu ist – nach eingehendem Studium der Verordnung –, dass ganz offensichtlich wieder an der Ärzteschaft vorbei verordnet wurde. Während neben Stubenfrauen, Raumpflegerinnen, Kellnerinnen, Köchinnen auch Gesundheitshilfsdienste, Physiotherapeutinnen und Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege geführt werden, vermisst man den ärztlichen Berufsstand. Nicht, dass man jetzt z.B., Anästhesisten, Chirurgen, Unfallchirurgen im gleichen Atemzug mit Eisenbieger, Bergarbeiter im Tagbau usw. nennen muss, aber unvollständig bis nicht nachvollziehbar mutet die Auflistung doch an. Während offensichtlich im Gerangel um die Verordnung gewisse Interessengruppen sich durchsetzen konnten, blieben die Ärzte vor der Türe.
Aus der Nähe betrachtet ist das doch nicht neu. Das Einhalten von Arbeitszeitregelungen wird in unserem Beruf klein geschrieben. Wieder mal ein Fernseh-Report über 48-Stunden-Dienste fällig? Es ist wirklich hilfreich, wenn der Herr Redakteur bemerkt, er selbst wolle nicht von einem Unfallchirurgen in der 47-sten Dienststunde notoperiert werden. Natürlich will er auch nicht von einem alten, erfahrenen, aber erschöpften Oberarzt in dessen achtem Nachtdienst bei akuten kardialen Beschwerden begutachtet und behandelt werden. Da wollen wir doch alle frische und kräftige Hilfe.
Leider schaut die Realität oft anders aus.Wer ist schuld? Es gibt Verordnungen, die unvollkommen sind. Es gibt Dienstzeitregelungen, die mangels politischer Vorgaben ignoriert werden. Es gibt Turnusärzte, die als Systemerhalter missbraucht werden und deren Ausbildung zu einer Holschuld degradiert wird. Auf der anderen Seite gibt es Standespolitiker – auf Bundesebene –, deren Bezüge sicher kein Erfolgshonorar sind. Wahrscheinlich ein Grund, warum diese Mitglieder unseres Berufsstandes nicht unter die Schwerarbeiterverordnung fallen. Aber warum alle anderen auch?

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 4/2007

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