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Gesundheitspolitik 23. Jänner 2007

Reformpool-Geld für Logopädie

Nach wie vor gibt es zu wenig LogopädInnen in Österreich, sowohl in Spitälern, Heimen, Rehazentren als auch in der niedergelassenen Praxis. Ein Jahr lang wird im südlichsten Bundesland Geld für eine bessere Versorgung in die Hand genommen.

Die Gründe für den erhöhten Bedarf an Logopädie liegen auf der Hand. Die Menschen werden immer älter, damit steigt die Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen. „Bei Kindern sind Eltern oder ­Institutionen wie Kindergarten und Schule deutlich sensibler für Probleme mit der Sprachentwicklung geworden“, analysiert Alexandra Pletz, Vertreterin der freiberuflichen LogopädInnen des Berufsverbandes „logopädie austria“ in Kärnten. Dr. Othmar Haas, Präsident der Kärntner Ärztekammer, verweist auf die Rehabilitation, z.B. nach Schlaganfällen, wo die Bedeutung der Logopädie stark zugenommen hat.

Mehr Nachfrage als Angebot

Haas und Pletz sind sich einig, dass es österreichweit zu wenig LogopädInnen sowohl im intra- als auch extramuralen Bereich gibt. So kommt es immer wieder zu langen Wartezeiten, unter anderen haben Patienten in der Hauskrankenpflege oft keinen Zugang zur Logopädie.
Wie bei anderen Berufsgruppen der medizinisch-technischen Dienste läuft auch bei den LogopädInnen derzeit die Umwandlung der Akademien in Fachhochschulen. Der Mangel an Ausbildungs- und Praktikumsstellen wird damit allerdings nicht behoben. „Es müssten auch mehr Möglichkeiten geschaffen werden, Berufspraxis in einem Angestelltenverhältnis zu erwerben“, fordert Pletz. „Unsere Ausbildung ist fundiert und praxisorientiert. Da die Logopädie aber ein sehr weites Feld ist, braucht es Zeit, sich auf ein bestimmtes Gebiet zu spezialisieren bzw. die notwendige Berufserfahrung sammeln zu können.“

Fünf Planstellen genehmigt

In Kärnten hat nun die Landesgesundheitsplattform ein Projekt beschlossen, das aus Mitteln des Reformpools gespeist wird: An den Kärntner Landeskrankenanstalten werden für die Dauer eines Jahres fünf Logopäden-Planstellen finanziert. Angesprochen werden vor allem Absolventen der Logopädie-Akademie in Klagenfurt, die Sozialversicherung hat zugesagt, diesen nach Ablauf der Projektphase einen Kassenvertrag anzubieten.
Haas begrüßt dieses Projekt als „Schritt in die richtige Richtung“. Auch Pletz vermerkt es als positiv, „dass die logopädische Versorgungssituation zum Thema wird“. Allerdings sei ein Jahr eine eher kurze Zeit, um ausreichend fachliche Erfahrung sammeln zu können. Es gebe in Kärnten hoch qualifizierte, erfahrene LogopädInnen mit langer Berufspraxis. Pletz hätte sich auch gewünscht, dass Logo-pädInnen bei der Entwicklung des Projektes einbezogen werden.
Für die Konditionen der Sozialversicherung zeigt die Vertreterin von „logopädie austria“ besonderes Interesse: „Derzeit werden Verhandlungen mit der Gebietskrankenkasse angestrebt.“ Haas versteht das Projekt schließlich auch als wertvollen Beitrag für multidisziplinäres Vorgehen im Gesundheitswesen: „Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und LogopädInnen wird immer wichtiger.“

 Zahnloser Papiertiger Reformpool?

Veranstaltungs-Tipp: Symposium „Mehrsprachigkeit – Risiko oder Chance?!“ am 3. März im Heffterhof in Salzburg (www.logopaedieaustria.at).

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