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Gesundheitspolitik 18. Jänner 2007

Österreichische Ärztekammer: Angst vor Transparenz?

Über Geld spricht man nicht – sagen meist jene, die genug davon haben. Das dürfte auch bei der Österreichischen Ärztekammer, der ÖÄK, so sein. Ganz schön nobel. Dank der wunderbaren Konstruktion – die Länderkammern sind die einzigen Mitglieder der ÖÄK und nicht die einzelnen ÄrztInnen – geht die Finanzgebarung an den eigentlichen Zahlern vorbei.
Zahlen gewünscht? Im Jahr 2004 begnügten sich die Herrschaften noch mit einem Budget von 6,5 Millionen Euro. Die Kammerumlage pro ärztlicher Nase betrug anno dazumal noch Euro 176,00. Für 2007 schaut das schon ganz anders aus: 8,2 Millionen (T)euros Budget sind vorgesehen. Jeder Ordinationsbetreiber wird durchschnittlich 243 Euros über seine Länderkammer abzuliefern haben. Während die Länderkammern merkbar zu sparen trachten – Wien schaffte es zum Beispiel, das Budget von 2004 zu halten –, explodieren bei der ÖÄK nahezu die Ausgaben: satte 25,2 Prozent in vier Jahren.
Während die Abschlüsse der ÖÄK bei den kleinen Kassen zu wünschen übrig lassen, werden Peering-Point-Gesellschaft und ÖQmed-Gesellschaft gegründet, um mittels eigener Bilanzen die Transparenz zu einer „Milchglasscheibe“ verkommen zu lassen. Oder gar zu einem „Schwarzen Loch“?
Wiens Ärztevertreter haben sich jedenfalls darüber Gedanken gemacht und in der Herbstvollversammlung beschlossen, eine Delegation zu beauftragen, sich namens der Wiener Ärztekammer Einblick zu verschaffen, um den Mitgliedern darüber berichten zu können. Dieses Ansinnen wurde von Präsident Brettenthaler & Co brüsk abgelehnt. Wen wundert es?
Angst vor der Wahrheit? Man könnte eine ganze Liste von Fragen stellen, um die Gebarung der ÖÄK zu erhellen: Was geschieht mit den 273.000 Euros für ein „internationales Büro“? Wo bleiben die Erträge des Verlages der Österreichischen Ärztekammer? Wo scheinen die Umsätze der Facharztprüfungen auf? (Für alle, die es nicht wissen: Junge Kollegen werden mit 700 Euro abgezockt). Ein guter Rat zum Schluss: Mauern hilft nicht! Nur all zu leicht könnte die Themenherrschaft dem ÖÄK-Präsidenten entgleiten, wenn sich Aufsichtsbehörde und Rechnungshof der Sache annehmen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 3/2007

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