zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 18. Jänner 2007

Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie

In Niederösterreich werden zwei Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie geschaffen. Auf die intensive Kooperation mit Haus- und Schulärzten legen die Spezialisten besonderen Wert.

Mit 1. Februar 2007 können sich Psychiater und Pädiater mit dem Zusatzfach Kinder- und Jugendpsychiatrie auch als Kassenarzt niederlassen. Dieses Datum ist zugleich Startpunkt für ein nieder­österreichisches Projekt, auf das sich Ärztekammer und Gebietskrankenkasse einigen konnten.
Im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) ist vorgesehen, dass es für je 250.000 Einwohner einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie geben sollte. „Mit dem Pilotprojekt können zumindest zwei neue Stellen geschaffen und so die wohnortnahe Versorgung deutlich verbessert werden“, freut sich Dr. Sabine Fiala-Preinsberger, die sowohl als Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Krankenhaus Mödling wie auch als Wahlärztin tätig ist.
Fiala-Preinsberger erhofft sich von dem Projekt, „dass Probleme aus dem weiten Feld der Kinder- und Jugendpsychiatrie früher erkannt und entsprechend behandelt werden können“. Betroffene Kinder und Jugendliche litten oft jahrelang bzw. hätten einen langen Leidensweg hinter sich, bevor sie medizinische Hilfe bekommen.
Eine Rolle dabei spielt, dass die Schwelle, in ein Spital zu gehen, gerade für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten oder anderen psychiatrischen Symptomen oft sehr hoch ist. Dazu kommen lange Wartezeiten auf Termine in entsprechenden Stationen und Ambulanzen aufgrund der steigenden Zahl von Anfragen.

Wertvolle erste Anlaufstellen

In anderen Bundesländern sind zwar ähnliche Schritte angedacht, als erstes setzt aber Niederösterreich konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung. „Ich halte die Einrichtung von Anlaufstellen im extramuralen Bereich für äußerst wichtig“, sagt Fiala-Preinsberger. „Im Bedarfsfall können diese auf die Kapazitäten spezialisierter Ambulanzen und psychiatrischer Abteilungen zurückgreifen.“
Sie erwartet sich durch das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt auch eine Intensivierung der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Haus- und Schulärzten: „Deren umfassendes Wissen über die Rahmenbedingungen von Familien, die sie betreuen, birgt die Chance, Veränderungen rasch wahrzunehmen und darauf zu reagieren.“ Gerade Schul- und Hausärzte bzw. Pädiater könnten zum Abbau oft vorhandener Vorbehalte und Barrieren zur Kinder- und Jugendpsychiatrie beitragen. Dies würde durch die Verfügbarkeit von entsprechenden Fachärzten auch im extramuralen Bereich bzw. zu Kassenkonditionen sicher leichter. „Schul- und Hausärzte können sowohl den Weg dorthin ebnen, haben aber auch eine wichtige Aufgabe bei der regelmäßigen Kontrolle und Nachbetreuung“, betont Fiala-Preinsberger.
Die ganzheitliche Sichtweise von psychiatrischen Problemen, wie sie Kinder- und Jugendpsychiater praktizieren, wertet Fiala-Preinsberger als wichtige Ergänzung zum Angebot von Hausärzten, Pädiatern sowie Psychotherapeuten und Psychologen: „Beispielsweise bei Hirnstoffwechsel­erkrankungen, Essstörungen oder zentralnervösen Störungen ist kinder- und jugendpsychiatrische Kompetenz gefragt.“
Das neue regionale Angebot könne auch dazu beitragen, dass Eltern mit ihren Kinder und Jugendlichen nicht mehr in Wien Unterstützung suchen müssen. „Es ist sicher nur ein erster Schritt“, so Fiala-Preinsberger, „vor allem im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz, wo es seit langem deutlich mehr niedergelassene Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben