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Gesundheitspolitik 9. Jänner 2007

MTDs ringen um mehr Anerkennung

Ergotherapeuten, Logopäden, Diätologen etc. halten die derzeitigen Rahmenbedingungen für ihre spezifischen Leistungen für stark verbesserungswürdig. Zu aktuellen gesundheitspolitischen Entscheidungen sollten die jeweiligen Berufsvertretungen verpflichtend um ihre Meinung und Mitarbeit gefragt werden. Die Kooperation mit Ärzten soll durch forcierte Informationsarbeit ausgebaut werden.

„Eine stärkere Positionierung der gehobenen medizinisch-technischen Dienste als wichtige Stimme im Gesundheitssystem ist ein wichtiges Anliegen des Dachverbandes“, unterstreicht Mag. Gabriele Jaksch. Die Physiotherapeutin und Pädagogin fungiert seit Ende vergangenen Jahres als neue Präsidentin (www.mtd-dachverband.at).
Der Dachverband versteht sich als gemeinsame Plattform für Ergotherapeuten, Logopäden, Diätologen, Orthoptisten, Physiotherapeuten, Radiologietechnologen sowie Biomedizinische Analytiker. Alle diese Berufsgruppen haben - medizinhistorisch gesehen – eine kurze Vergangenheit. Auch wenn sich die Situation etwas gebessert hat, werden z.B. ErgotherapeutInnen geringschätzig gern als „Basteltanten“ abqualifiziert bzw. gibt es Wissenslücken, was Logopäden anbieten.
An einigen Spitälern und in multidisziplinären Zentren im extramuralen Bereich hat sich eine Zusammenarbeit zwischen MTDs und Ärzten verschiedener Fachrichtungen schon bewährt. „Wir arbeiten eigenverantwortlich auf der Grundlage einer ärztlichen Anordnung. Im prophylaktisch beratenden Bereich bedarf es keiner ärztlichen Verordnung“, erklärt Jaksch. Sie nimmt eine Hol- und Bringschuld in punkto intensiverer Kooperation auf beiden Seiten wahr. Bei den MTDs gelte dies für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit – ein Schwerpunkt, den sich Jaksch für die nächsten Jahre gesetzt hat. Ärzte sollten möglichst am aktuellen Stand sein, wer in einer Region was anbietet. Dies ermögliche konkrete Zuweisungen und bilde die Grundlage für eine interdis­ziplinäre Zusammenarbeit.

 Pflege
MTDs können unter anderem in Pflege und Rehabilitation wertvolle Dienste anbieten.

Foto: Buenos Dias/photos.com

Breites Angebot für die Pflege wird zu wenig beachtet

Aus Sicht der neuen Präsidentin kommen die MTDs auch in der Pflegediskussion zu kurz: „Mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen bräuchte therapeutische Betreuung, nur ein Bruchteil erhält sie auch.“ Neben medizinischen und pflegerischen Leistungen sei multidisziplinäres Vorgehen er-forderlich. Die Bandbreite reicht von Bewegungstherapie und Atemschulung bis zum Sprech- und Schlucktraining, Verhinderung von Mangelernährung bis hin zur adäquaten Versorgung mit angepassten Hilfsmitteln.
„Ziel ist die Erhaltung größtmöglicher Selbständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen“, unterstreicht Jaksch. Das Problem: Oft mangelt es an Informationen über mobile Angebote von MTDs, oder Betroffene können sich diese wegen zu niedriger Zuschüsse der Kassen oder von den Ländern nur begrenzt bezahlter Personaleinheiten nicht leisten.
Eine Herausforderung der nächsten Zeit ist für den Berufsverband der MTDs die Frage der Listenführung. Nach Plänen des Ministeriums soll diese durch die neue „Gesundheit Österreich GmbH“ erfolgen. Momentan werden aktuelle Daten sowohl von Mitgliedern als auch Nichtmitgliedern der verschiedenen Berufsverbände erhoben und standardisiert.
„Aus Gründen der Qualitätssicherung und der gesundheitspolitischen Planung wäre es wichtig, die Listenführung koordiniert über eine unabhängige Stelle – also den Dachverband – vornehmen zu lassen“, schlägt Jaksch vor. Dies sei auch eine wesentliche Grundlage, um die Leistungen und Angebote von MTDs in aktuelle Bedarfs- und Entwicklungspläne zu integrieren.
Jaksch ist der Ansicht, dass der Dachverband der MTDs den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts haben sollte. Nur so wäre gewährleistet, dass die jeweiligen Berufsvertretungen zu aktuellen gesundheitspolitischen Entscheidungen um ihre Meinung und Mitarbeit gefragt werden müssen und dies nicht nur als Good-will-Aktion erfolge.
Die Dachverbands-Präsidentin fordert von der neuen Regierung weiters die Anpassung der Berufsbilder an die tatsächlichen Gegebenheiten im Rahmen des MTDs-Gesetzes, das zuletzt 2003 reformiert wurde. Damals blieben einige Bereiche offen, die vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) längst erarbeiteten Berufsbilder müssten endlich in die entsprechenden Gesetze eingearbeitet werden.

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