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Gesundheitspolitik 9. Jänner 2007

Ab 2007 – Ehrlichkeit in der Honorarbemessung?!

Es ist wie ein Spiel. Die „Kranken“kassen sagen bedrohliche Defizite voraus. Seitens der Politik und des Hauptverbandes wird wirksameres Sparen verordnet. Das Ergebnis gibt diesen dann insofern Recht, als es letztlich doch nicht ganz so schlimm wird wie prophezeit. Zunehmend stellen die Wachstumsraten bei den Arzneimittel-ausgaben ein ernst zunehmendes Problem dar. Spitalskosten und Arzthonorare wachsen deutlich langsamer. Kein Wunder, liegen die Honoraranpassungen doch schon traditionell unter der Inflationsrate.
Glaubt man den Ausführungen des Sozialversicherungschefs Erich Laminger, dann brauchen die Kassen nicht mehr Geld. Was sie brauchen, ist ein ehrlicher Leistungs-ersatz! Vom Arbeitsmarktservice erhalten die Kassen für Arbeitslose, die in Krankenstand gehen, nur eine Pauschale ersetzt. Abgang stolze 38 Millionen Euro. Beim Wochengeld wird seitens des Familienausgleichsfonds nicht alles überwiesen. Daraus resultiert ein Minus von 78 Millionen Euro. Der Finanzminister bereichert sich auf Kosten der Kassen bei der Mehrwertsteuer. Während die Krankenhäuser diese zur Gänze ersetzt bekommen, werden die Kassen pauschal abgegolten. Fehlbetrag stolze 79 Millionen Euro. Es läppert sich: Bei ehrlichem Kostenersatz schmilzt das Defizit fast bis zum „Nullpunkt“.
Und weil wir schon dabei sind: Würden beitragsfreie mitversicherte Kassenangehörige aus dem Steuertopf und nicht seitens der Sozialversicherung bezahlt werden, würde dies die Kassen um 960 Millionen Euro entlasten. Zählt man die Außenstände der Arbeitgeber in fast gleicher Höhe dazu, könnten die Kassen geradezu in Geld baden.
So gesehen, bedarf es sicher keiner Anhebung der Bemessungsgrundlage für die Krankenversicherung auf 5.000 Euro. Die meisten Ärzte müssten in diesem Fall durchschnittlich pro Jahr 1.000 Euro einem System zuschießen, das sie ohnehin schon ausbeutet. Von wegen Ehrlichkeit beim Kostenersatz: Diese ist auch gegenüber den Vertragsärzten zu wahren. Viele Tarife sind zurzeit nicht kostendeckend. e-Card und gesetzliche Auflagen, wie Qualitäts-sicherung, Fortbildung, Müllentsorgung etc., wurden bis dato durch Honoraran-passungen nur ungebührend berücksichtigt. Pauschalierungen, Deckelungen etc. feiern nach wie vor fröhliche Urständ’. Auch die Ärzte wünschen sich Ehrlichkeit in der Honorarbemessung!

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 1/2007

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