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Gesundheitspolitik 19. Dezember 2006

ÄWOSCOPE: Turnusärzte – bitte warten

Über 6.500 ÄrztInnen sind in Ausbildung – vulgo Turnus –, die Mehrheit davon in der Allgemeinmedizin. Und es ist nicht seit gestern, dass die Betroffenen Klage führen, sie würden nicht ordentlich ausgebildet, sondern als Sklaven des Systems missbraucht. Mehr als 40 Prozent können an Visiten nicht teilnehmen, 50 Prozent der Arbeitzeit frisst die Administration.
Schließlich dürfen sie darauf auch noch einige Jahre warten. Zwischen Studiumabschluss und Turnusbeginn liegt das Potenzial der Jungakademiker brach. Manche nette Abteilungschefs – so hört man – erklären sich bereit, besonders Willige in einer Art „Vorturnus“ zu beschäftigen.
Unter dem Hinweis auf den Mangel an Geld und freie Ausbildungsplätze sind diese Jobs dann oft so schlecht honoriert, dass die Betroffenen entweder weiter der Unterstützung aus ihrem Elternhaus bedürfen oder einen Zweitjob annehmen.
Das ist ein Skandal! Da muss sofort Abhilfe her! Hier wird volkswirtschaftlich gesehen Kapital vernichtet. Und man muss sich ob dieser Ausbildungsqualität ernsthafte Sorgen machen. Wer weiß, ob die zukünftigen Ärzte überhaupt genug lernen können, um den Beruf später adäquat auszuüben? Laufen wir nicht gar Gefahr, in Zukunft – nämlich dann, wenn es demografisch besonders eng wird – zu wenige und nur mäßig ausgebildete Ärzte zu haben?
Alles kein Problem! Vor Jahren schon nicht, und jetzt auch nicht. Anlässlich des ersten Turnusärztegipfels dokumentierten die „Festredner“ einmal mehr ihre wahre Einstellung. Der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Dietmar Bayer, mahnte strukturelle Änderungen ein. Aha! Er forderte die Aufnahme des von der Ärztekammer definierten Turnustätigkeits-Profils in die Krankenanstalten-Ordnungen. So so! Und so weiter, und so weiter.
Auch Frau Bundesministerin Maria Rauch-Kallat hat so ihre Perspektive: Ihrer Meinung nach sind hinsichtlich der ärztlichen Ausbildung besonders die Spitalsträger angesprochen, denen Details der Ausbildung oblägen, während die Überwachung im Rahmen von Visitationsverfahren der Österreichischen Ärztekammer übertragen worden sei. Als ob man das nicht schon vor ihrer Amtsperiode wusste. Mit den üblichen Wortspenden wie: „Wenn es uns gelingt, zu überzeugen, dass die Krankenhäuser auch Geld in die Hand nehmen müssen, um gute Ausbildung zu garantieren, kämen wir ein gutes Stück weiter“, wird der Anschein erweckt, als ob seitens des Ministeriums ohnehin schon alles getan wurde und nur die anderen säumig sind.
Seitens der Standesvertretung wird man jedenfalls gut beraten sein, die Kollegenschaft im Turnus nicht als hilfreiche Sys-temerhalter zu sehen, die sich ohnehin in einem Durchgangsstadium befinden. Sie sind nicht nur die, die ausgebildet werden müssen, sondern sie stellen die Kollegen von morgen dar. Und auf deren Wissen, Können und Kooperation werden die „alten“ Hasen von heute schon morgen angewiesen sein. Apropos morgen: Im Frühjahr sind Kammerwahlen – auch für Turnusärzte.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 50/2006

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