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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2006

Aktiv gegen Bürokratiewahnsinn

„Seit Anfang des Jahres 2005 ist in der ärztlichen Versorgung nichts mehr so, wie es einmal war“, bedauert Dr. Peter Rannacher, niedergelassener Allgemeinmediziner in Leibnitz. Deshalb sammelt er seit kurzem Unterstützungserklärungen für seine Initiative.

Die „Kriminalisierung“ aller in der freien Praxis tätigen Ärzte begann mit dem Wegfall der Chefarztpflicht. „Die damalige Freude schlug schnell in Enttäuschung um“, so Rannacher. Er beklagt auch, dass die Verschreiberegeln zwar für die niedergelassenen Ärzte verpflichtend sind und ein Abweichen mit Sanktionen bestraft wird, Spitalsärzte hingegen keinerlei Notwenigkeit in diesem Erstattungskodex zu sehen hätten.

„Unerträgliche“ Details

Seit April 2006 fehlt durch das neue Apothekergesetz auch die Unterstützung der Apothekerschaft. „Bis dahin konnten wir sicher sein, dass alle Kassenrezepte ordnungsgemäß in Verrechnung gestellt wurden“, so Rannacher. „Das ist nun nicht mehr der Fall. Wir stehen allein da und wissen nicht, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen.“ In Summe gehe es um mehr als ein Dutzend für Ärzte „unerträgliche“ Details.
Rannacher sieht dringenden Handlungsbedarf. Deshalb hat er sich zunächst an seine Standesvertretung mit der Bitte gewendet, Maßnahmen zur Beendigung dieses Zustandes zu ergreifen.
Eine mit der Ärztekammer Steiermark einvernehmlich veranlasste Aktion unterstreicht diesen Gedanken: Niedergelassene Ärzte aller Fachrichtungen und Bundesländer haben die Möglichkeit, Rannacher in seinen Bestrebungen „gegen den Bürokratiewahnsinn und die systematische Zerstörung der niedergelassenen Ärzteschaft“ zu unterstützen. Er sammelt Unterschriften und Unterstützungsmails, die jede Ärztin und jeder Arzt formlos an ihn schicken kann (peter.rannacher@gmx.at). Die Aktion läuft bis Jänner 2007.

Start der Aktion beim Kongress für Allgemeinmedizin

Beim Kongress für Allgemeinmedizin Ende November in Graz konnte Rannacher bereits mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, dass die Ärzte durch die Androhung von Sank-tionen in ihrer täglichen Arbeit behindert werden und zum Störfall geworden sind. „In vielen interessanten Einzelgesprächen gewann ich den Eindruck, dass
ich mit meiner Sensibilität nicht allein bin“, resümiert der Allgemeinmediziner. „Allerdings glaube ich, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus allen möglichen Gründen bereits paralysiert sind und resigniert haben. Leider geben mir als Einzelkämpfer nur die wenigsten eine Chance, gehört zu werden.“
Geplant ist bis längstens Mitte Jänner die offizielle Übergabe der gesammelten Bekundungen an die Steirische Ärztekammer in Graz. In welcher Form diese erfolgen wird, ist im Detail noch nicht geplant. „Auf jeden Fall wird es“, so Rannacher, „nicht nur die Übergabe eines Stapels Papier mit Unterschriften von Kollegen und Kolleginnen sein.“

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