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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2006

Strukturelle Lücken hemmen Infarkttherapie

Für die akute perkutane Coronar-Intervention (Akut-PCI) gibt es nicht genug Zentren. Zudem wird die Umsetzung internationaler Standards im Umgang mit Herzinfarktpatienten zu wenig strukturiert gefördert.

Der wichtigste Faktor bei der Behandlung eines Herzinfarkts ist die Zeit. Je weniger Zeit zwischen Diagnose und Akut-PCI ungenutzt verstreicht, desto besser. „In Österreich können, bedingt durch strukturelle Probleme, nur 20 Prozent aller Herzinfarkte einer Akut-PCI unterzogen werden“, kritisiert Prof. Dr. Kurt Huber, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG). „Insofern ist ein Umweg über den Hausarzt oder auch den noch so spezialisierten niedergelassenen Facharzt eine fahrlässige Verzögerung.“

Internationale Leitlinien

Laut internationalen Guidelines sollten zwischen erstem Arztkontakt und Akut-PCI maximal 90 Minuten vergehen. „Wenn dies bei Patienten mit einem akuten Herzinfarkt in weniger als drei Stunden nicht möglich ist, sollte mittels Lysetherapie behandelt und der Patient dann an ein Herzkatheterlabor transferiert werden“, so Huber. Diese Standards hätten z.B. in Dänemark, den Niederlanden oder der Tschechischen Republik zu einer deutlichen Senkung der Mortalität nach Herzinfarkt beigetragen.
Im Idealfall sollten Ärzte, aber auch Privatpersonen bei akuten Herzbeschwerden, vor allem wenn sie länger als 15 Minuten andauern, sofort die Rettung verständigen und eine Überweisung in ein entsprechend ausgerüstetes Spital in die Wege leiten. „Es ist überhaupt keine Frage, dass niedergelassene Ärzte, insbesondere Allgemeinmediziner als Drehscheibe der Versorgung eine wichtige Rolle in der Sekundärprävention eines Herzinfarkts spielen“, sagt Huber. Hier gehe es unter anderem aber um die Feinabstimmung der Medikation, die auch dann genommen werden sollte, wenn die akuten Beschwerden verschwunden sind. Dies gelte außerdem für die regelmäßige Kontrolle von Blutdruck- bzw. Blutzuckerwerten.
„Wenn aber akute Herzbeschwerden auftreten, sollte unmittelbar eine Einweisung in eine spezialisierte Spitalsabteilung in die Wege geleitet werden, da jede Minute zählt“, betont Huber. Dafür sei auch die Sicherstellung eines reibungslosen Transportes ins Spital zu gewährleisten.

EKG in alle Rettungswägen

„Ein mobiles EKG sollte eigentlich in allen Rettungswägen an Bord sein, um eine Abklärung vor Ort zu ermöglichen“, fordert der Kardiologe. „Bekannt muss dann auch sein, welches Herzkatheter-labor überhaupt offen hat.“ Dies setze eine entsprechende Ausbildung der Sanitäter bzw. der Notärzte voraus.
Auch organisatorische Rahmenbedingungen können die Zeit zwischen Diagnose und akuter Intervention drastisch beeinflussen. „Regionale Gesundheitspolitiker müssen sich für Strukturen einsetzen, die diese Voraussetzungen fördern“, so Huber. In Österreich gibt es derzeit 29 Spitäler mit Herzkatheterlabor. Pro Jahr werden etwa 16.700 Akut-PCIs durchgeführt. Huber kritisiert, dass davon nicht einmal zehn Prozent durch das Akut-PCI-Register der Medizinischen Universität Innsbruck erfasst und damit einer koordinierten Qualitätssicherung unterzogen werden.
Gerade in ländlichen Regionen wären mehr koronare angiographische Stationen bzw. eine bessere Koordination zwischen den Spitälern mit Herzkatheter notwendig. Huber verweist dazu auf Wien, wo seit 2003 sechs Herzkatheterzentren eng kooperieren. Die Rate der Akut-PCIs konnte dort erheblich gesteigert und die Mortalität gleichzeitig gesenkt werden.
Nicht zufrieden ist der Kardiologen-Präsident auch mit der Uneinheitlichkeit der Honorierung des Personals von Herzkatheter-Labors: „Hier gibt es – abhängig von Bundesland und Spitalsträger - freiwillige Anwesenheit, Systeme mit schlechter, aber auch solche mit ausreichender Bezahlung.“

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