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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2006

Ein Netzwerk für Venenkranke

Venenerkrankungen und deren mögliche Folgesymptome erfordern eine aufwändige Betreuung der Betroffenen. Eine Initiative in Niederösterreich setzt auf Fortbildung und gemeinsame Vorgangsweise von intra- und extramuralem Bereich.

„Die Inzidenz venenassoziierter Erkrankungen ist hoch: 10 bis 12 Prozent der Bevölkerung haben fortgeschrittene chronische venöse Problematiken“, betont Prim. Dr. Hans-Martin Vischer, chirurgischer Leiter des Landesklinikums Waldviertel Gmünd und niedergelassener Facharzt für Chirurgie. In Österreich leiden zudem etwa 100.000 Menschen an Ulcus cruris – Tendenz aufgrund der Altersentwicklung stark steigend. Besonders diese Problematik verursacht lange Krankenstände, frühzeitige Pensionierungen und überdurchschnittliche Behandlungskosten.
Das Landesklinikum Waldviertel Gmünd initiierte deshalb im vergangenen Frühjahr die „Initiative Venenkreis“, die seit September auch das „Venennetzwerk Waldviertel“ aufgebaut hat. „Ein wichtiges Ziel ist, für die teils oft unterschätzte Problematik von Venenerkrankungen zu sensibilisieren“, erklärt Vischer. Denn bei etwa zehn Prozent der Betroffenen kommt es zu ernsthaften Komplikationen, wie Beingeschwüren, Venenentzündungen, Thrombosen oder auch Lungenembolien.

Wissensdefizite abbauen

„Die Betreuung von Patienten mit Venenerkrankungen erfordert spezifisches Wissen“, betont Vischer. Deshalb bietet das Venennetzwerk regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte sowie Pflegepersonal im intra- und extramuralen Bereich an. In Kooperation mit den Gesunden Gemeinden werden auch Infor-mationsveranstaltungen für die Bevölkerung durchgeführt und mit Medienarbeit unterstützt.
Die Dauer der Spitalsaufenthalte sowie insgesamt die Behandlungsdauer drastisch zu reduzieren, gilt als deklariertes Ziel der Arbeit des Venennetzwerks. „Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung ist uns durch erfolgreiche Verhandlungen mit allen Versicherungsträgern in Niederösterreich gelungen: Diese haben die Einrichtung eines Verbandstoffdepots an unserem Haus ermöglicht“, freut sich Vischer.
Bisher lag das Problem darin, dass im Spital hochspezifische Materialien eingesetzt wurden, die niedergelassene Ärzte nicht weiter verordnen konnten. Die Kasse wollte die Kosten dafür nicht übernehmen, und die Ärzte hatten bei der Suche nach Alternativen immer wieder große Probleme. Nun kann Patienten vom Spital ein Koffer mit den entsprechenden Verbandsmaterialien mitgegeben werden, der bis zur nächsten Kontrolle in der Ambulanz ausreicht.
„Leider rechnet sich für niedergelassene Ärzte die Versorgung von Patienten mit venenassoziierten Erkrankungen aufgrund der niedrigen Kassensätze nicht wirklich“, berichtet Vischer auch aus eigener Erfahrung. Gerade das Anlegen der speziellen Verbände erfordere viel Zeit und auch entsprechend ausgebildetes Personal. Dieses ist in den Ambulanzen sowie in der mobilen Hauskrankenpflege vorhanden.

Vorteile für Arzt und Patient

„Die Lösung mit dem Verbandstoffdepot und den mitgegebenen Verbandmaterialien bringt eine deutliche Entlastung vor allem der Hausärzte“, meint Vischer. Außerdem würden lange Wartezeiten auf die richtigen Materialien vermieden. Er schätzt die Hausärzte als erste Anlaufstelle für Patienten mit Venenproblematiken: „Sie können viel zur frühzeitigen Diagnose und damit Sicherstellung einer optimalen Versorgung beitragen. Außerdem übernehmen sie die Betreuung nach einem Spitalsaufenthalt bzw. zwischen Kontrollterminen.“ Vischer sieht die Herangehensweise der „Initiative Venenkreis“ durchaus als guten Beitrag zum Projekt „Entlassungsmanagement“, das seit September am Landesklinikum Waldviertel Gmünd umgesetzt wird. Die Finanzierung dieses Projekts erfolgt aus Mitteln des Reformpools.

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