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Gesundheitspolitik 6. Dezember 2006

Allgemeinmediziner als Filter für leichte Fälle

Ein allgemeinmedizinischer Notdienst am Wiener Donauspital soll helfen, Ambulanzeinweisungen und Spitalsaufenthalte zu reduzieren.

Gerade in großen Spitälern nimmt die Zahl jener Personen, die Ambulanzen – vor allem ab Freitagnachmittag – in Anspruch nehmen, scheinbar unaufhaltsam rasant zu. „Schon seit über drei Jahren gibt es deshalb die Überlegung, eine Ergänzung zum allgemeinmedizinischen Notdienst anzubieten“, berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Paul Brem, ärztlicher Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes.

Start im Frühjahr 2007

Derzeit gibt es zumindest mündliche Zusagen für die Finanzierung eines entsprechenden Pilotprojekts am Wiener Donauspital aus Mitteln des Reformpools. Geplanter Start: Frühjahr 2007. „Die Struktur wird letztlich jener des Ärztefunkdienstes entsprechen, nur dass der Kollege in eigenen Räumen bei uns im Haus anwesend ist“, sagt der Internist Dr. Lothar Mayerhofer, Leiter der Aufnahmestation am Wiener Donauspital.
Mit 400.000 Euro wird auch die Anwesenheit eines Sanitäters gewährleistet, der unter anderen administrative Aufgaben übernehmen kann. Der allgemeinmedizinische Notdienst soll von Freitag 19 Uhr bis Montag 7 Uhr früh verfügbar sein.
„Es geht vor allem darum, leichte oder mittelschwere Fälle herauszufiltern“, sagt Brem. Er hofft, dass bei zumindest 10 Prozent der Patienten eine Behandlung durch den anwesenden Arzt möglich ist. Viele sollten auf die „normalen“ Öffnungszeiten des betreuenden Hausarztes verwiesen werden können, weil kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht. Brem wurde zugesagt, „dass keine Gefahr besteht, hier junge Kollegen zu verheizen.“ Diese könnten jederzeit an die Ambulanz weiter verweisen bzw. die Spitalsstruktur nutzen, ohne Vorwürfe befürchten zu müssen.

Echte Notfallmedizin

Das Besondere an diesem Modell ist laut Mayerhofer, dass ein Patient, der dieses Angebot nutzt, nicht automatisch einen Behandlungsvertrag mit dem Spital eingeht: „Es ist auch nicht vorgesehen, einen Patienten wieder zu bestellen – es geht um echte Notfallmedizin.“ Mayerhofer erhofft sich auch eine deutliche Entlastung der Ärzte im Wochenenddienst, die sich dann auf die komplexeren Fälle konzentrieren können.
Als Pilotzeitraum wurde ein Jahr festgelegt, bereits nach sechs Monaten wird es eine erste Evaluierung geben. Brem und Mayerhofer sind sich einig, dass es für das neue Angebot keine zu starke Werbung geben dürfe. Keinesfalls sollte der Eindruck entstehen, dass die Kapazitäten im Spital auf einmal um ein Vielfaches verstärkt wurden. Im Vordergrund steht die Filterfunktion der Einrichtung: Mehr Patienten sollen im extramuralen Bereich verbleiben bzw. dessen primäre Angebote stärker annehmen.
Als positiven Nebeneffekt sieht Brem die Chance, dass wieder mehr Patienten stärker mit dem Angebot der Allgemeinmedizin in Berührung kommen. Vermieden würde zudem, dass nicht sofort alle diagnostischen Möglichkeiten eines Spitals ausgeschöpft werden, nur weil sie verfügbar sind. „Im Ärztefunkdienst sind derzeit etwa 170 Ärzte beteiligt, aber die Warteliste ist sehr lang“, berichtet Brem. „Ab Februar können etwa 50 weitere Ärzte tätig werden und zusätzliche wertvolle praktische Erfahrungen sammeln.“

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