zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 29. November 2006

Faire Entlohnung für Medikamenten-Management

Der Vorschlag von Dr. Christoph Reisner, Obmann des Vereins „Wahlärzte Österreich“, in Sachen Dispensierrecht für alle Ärzte geht auch an der steuerlichen Fachwelt nicht vorbei. Argumente dafür überwiegen, so der Grundtenor.

Mag. Dr. Herbert Greiml von der Steuerberatungsgesellschaft „Die Ärzteberater“ in Trofaiach hat sich mit dem vorgelegten Konzept (ÄRZTE WOCHE vom 23.11. oder unter www.wahlarzt.at downloadbar) auseinandergesetzt. Seine Expertise fällt grundsätzlich positiv aus: „Dieser Ansatz beseitigt ein für alle Mal den Hauptangriffspunkt auf dispensierende Ärzte, nämlich eine mögliche finanzielle Abhängigkeit vom Verschreibeverhalten.“ Das Konzept sieht vor, dass statt Einkauf und Verkauf mit Spanne ein „Medikamenten-Management“ pauschal honoriert wird, und zwar unabhängig vom Ausmaß der tatsächlichen Verschreibung. „Ich kann mir durchaus vorstellen“, so Greiml, „dass so Anreize zur ökonomischeren Verschreibung entstehen.“

Honorarvorschlag hat plausible Größenordnung

Der Steuerberater hat auch die Größenordnung des vorgeschlagenen Honorars – 12,80 Euro pro Schein im Quartal – überprüft: „Wir wissen, dass heute fast jeder All-gemeinmediziner mit normaler bis großer Praxis zwei Angestellte beschäftigt, die sich mit wenigen Ausnahmen fast nur noch mit der Abwicklung von Verwaltung und Bürokratie beschäftigen.“ Greiml kennt auch die Klagen seiner Mandanten in Bezug auf den Erstattungskodex: „Bei jedem zehnten Patienten kommt es schon vor, dass sich das Personal bis zu einer Stunde mit der Sozialversicherung plagt. Aus meiner Sicht darf das nicht weiterhin unentlohnt bleiben.“ Das vorgeschlagene Honorar wertet Greiml „als vernünftige Größenordnung“ für die Abwicklung des Medikamenten-Managements. Die tatsächliche Ausgabe der Medikamente sei ein in diesem Rahmen vernachlässigbares Detail, allerdings mit unglaublich positiver Auswirkung für den Patienten.

Gewinner und Verlierer

Unternehmensberater Fritz Bauer, ebenfalls in der Kanzlei „Die Ärzteberater“ tätig, hat sich mit der Größenordnung des Honorars aus Sicht bestehender Hausapotheken befasst: „Für alle unsere Kunden wäre das eine vertretbare Größenordnung, wenn man die bisherige Spanne mit jenem Ergebnis vergleicht, das sich bei einer Umstellung ergeben würde.“ Außer Frage steht, dass es dabei Gewinner und Verlierer geben würde. „Ich kann mir vorstellen“, so Bauer, „dass bei einer Umstellung Hausapotheker mit ‚offensivem’ Verschreibeverhalten Einbußen hinnehmen müssten.“ Allerdings würden sich diese nach wie vor auf sehr hohem finanziellen Niveau befinden. Die „artigen“ Verschreiber hätten allerdings einen Vorteil – somit würde Ökonomie doch noch belohnt. Bauer: „Aus meiner Sicht im Sinne der Ärzteschaft und der Sozialversicherungen ist es ein sehr schlüssiges Konzept, mit dem sich Gesundheitspolitiker eigentlich befassen müssten.“ Der Abgang vom bisherig angewendeten Konzept mit Spanne würde allen Kritikern der Medikamentenabgabe in Ordinationen schlagartig den Wind aus den Segeln nehmen. „Die vereinzelt entstehenden geringen Nachteile bei bestehenden Hausapotheken müssen im Sinne der gesamten Ärzteschaft meines Erachtens in Kauf genommen werden“, meint Bauer. Immerhin würde dadurch auch Rechtssicherheit für bestehende Hausapotheken geschaffen. Einige hunderte, die aufgrund der bestehenden Gesetzeslage in den kommenden Jahren schließen müssten, könnten so wahrscheinlich gerettet werden. Bauer rechnet allerdings mit massiver Gegenwehr von Apothekerseite: „Was offiziell als Wunsch einzelner Ärztekammerfunktionäre kommentiert wird, stellt sicher eine große Bedrohung für den Berufsstand der Apotheker dar.“ Er habe aber noch nie erlebt, dass mehr Wettbewerb zu einer Verschlechterung der Position des Konsumenten geführt hätte.

Einsparung via Umsatzsteuer

Ein sicherlich nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Frage der Umsatzsteuer. Sollte die Dienstleistung „Medikamenten-Management“ steuerrechtlich als ärztliche Leistung eingestuft werden, sind laut Greiml zusätzliche beträchtliche Einsparungen für das System aufgrund der unechten Umsatzsteuerbefreiung drin. Das von Reisner errechnete Einsparpotenzial für die Sozialversicherungen von etwa 70 Millionen Euro pro Jahr müsse von den zuständigen Gesundheitspolitikern geprüft und der Vorschlag somit ernst genommen werden. „Man tut sich schwer“, so Greiml, „den Ärzten noch mehr aufzubürden oder gar weg zu nehmen, wenn man solche Optimierungsmöglichkeiten nicht diskutiert hat.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben