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Gesundheitspolitik 29. November 2006

Neuer Anlauf für Hauskrankenpflege

In der Steiermark wird in einem Bezirk ein neuer Versuch unternommen, die Hauskrankenpflege wiederum intensiver anbieten zu können. Das Interesse von Seiten der Ärzte ist groß.

„Die Geschichte des Projekts reicht etwa zwei Jahre zurück. Damals hat die Gebietskrankenkasse festgestellt, dass besonders in der Region Hartberg Patienten sehr früh ins Spital kamen, zugleich aber oft zu früh entlassen wurden“, berichtet Dr. Gerhard Wöri, Arzt für Allgemeinmedizin in Hartberg. Die GKK setzte deshalb „Entlassungsmanager“ ein, die vor allem bei multimorbiden und stark pflegebedürftigen Personen die langfristige Versorgung sicherstellen sollten. „Es wurde aber rasch klar, dass dies zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, zugleich aber Maßnahmen bei der Hauskrankenpflege erforderlich sind“, erinnert sich Wöri. Wie diese sichergestellt werden könnten, wurde schon damals lange diskutiert. Bislang scheiterten Vorhaben an der Entlohnung der involvierten Ärzte und auch am administrativen Aufwand bzw. dessen Abgeltung. Jetzt soll es dafür Mittel aus dem Reformpool geben, die Beschlüsse werden innerhalb der nächsten zwei Wochen fallen.

Interesse anderer Länder

Für Wöri ist das Projekt auch deshalb bemerkenswert, „weil wir von den anderen Bundesländern sehr genau beobachtet werden, denn diese wollen Ähnliches umsetzen.“ Mit dem neuen Anlauf soll sichergestellt werden, dass Patienten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden betreut werden können. „Ein Baustein dabei ist ein Refresherkurs für die Hausärzte mit Themen wie Hygi-ene, Verbandstechniken und -mittel, Medikamente im Pflegebereich, Schmerztherapie inklusive palliativer Aspekte.“ Binnen kurzem, freut sich Wöri, fanden sich 25 Allgemeinmediziner aus der Pilotregion, die daran teilnehmen werden – „und wir werden auch die anderen dazu gewinnen können“, ist Wöri überzeugt. Ein Teil des Projekts betrifft die „geordnete Entlassung: So werden chefärztliche Medikamente im vornherein bewilligt, Pflegebehelfe so organisiert, dass sie schon beim Patienten sind, wenn er nach Hause kommt bzw. auch die ersten Besuche von mobilen sozialen und pflegerischen Diensten bzw. des Hausarztes festgelegt sind.“ Ein Wermutstropfen ist für Wöri eine gewisse Unsicherheit, ob auch die anderen involvierten Partner sich rechtzeitig um die nötigen Schritte bei der Fortbildung bzw. den organisatorischen Maßnahmen kümmern können. „Eine gute Hauskrankenpflege ist schließlich keine Horuck-Aktion. Eigentlich sollte das Projekt schon Ende Jänner starten, jetzt wird es vermutlich April werden.“ Aber Wöri ist froh, dass hier endlich Bewegung in das Thema Hauskrankenpflege kommt, vor allem auch damit, dass der dabei für die Ärzte höhere Aufwand durch Mittel aus dem Reformpool abgeglichen wird. „So können dann auch Infusionen im häuslichen Bereich viel leichter umgesetzt werden oder der arbeits-intensive Bereich der Schmerztherapie.“ Jedenfalls würde es zu keiner überbordenden Dokumentationsaufwand kommen und bzw. zu einer finanziellen Abgeltung der trotzdem nötigen Mehrleistung durch den Arzt.

Auch Pflege soll profitieren

Wöri erwartet sich weiters eine deutlich intensivere und bessere Zusammenarbeit mit dem Pflegebereich sowie anderen mobilen Gesundheits- und Sozialdienstleistern: „Häusliche Pflege gibt es ja schon länger, es kommt immer wieder vor, dass Hausärzte, in Krisensituationen Feuerwehr spielen sollen und in den Gesamtprozess der Pflege zuwenig eingebunden sind – mit dem Projekt sollen hier verbindliche Standards gerade bei Kommunikation und Kooperation geschaffen werden.“ Eine gewisse Gefahr für das Projekt bringen geplante Einsparungen im steirischen Landeshaushalt 2007: Die Rede ist von minus 40 Prozent bei mobilen Pflege- und Betreuungsdiensten. Statt wie bisher 16.000 könnten dann durch die verschiedenen Dienstleister wie Rotes Kreuz, Caritas und Hilfswerk nur noch 9.600 Menschen in ihrer privaten Um-gebung gepflegt werden. Diese Organisationen fordern nun finanzielle Garantien, sonst würden tausende Menschen quasi über Nacht ohne Betreuung dastehen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 48/2006

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