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Gesundheitspolitik 22. November 2006

Kardiologisches Nachtelefonieren

Ein niederösterreichisches Reformpool-Projekt setzt auf Schulung und Telefonmonitoring im Sinne einer besseren Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.

Die Zahl der Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist stark im Steigen, vor allem bedingt durch die Altersentwicklung der Bevölkerung. Diese Krankheit verursacht oft eine große Zahl von Spitalsaufnahmen bzw. längeren Liegezeiten. Probleme verursacht immer wieder die Gestaltung der Medikation, vor allem in den ersten sechs Monaten nach der primären Behandlung. In einem soeben beschlossenen Reformpool-Projekt in der Landeskrankenanstalt Waldviertel Krems wird zunächst auf eine intensivere Schulung der Patienten gesetzt: „Im Spitalsalltag war dafür früher oft zu wenig Zeit, jetzt kann nicht nur die Medikation gut besprochen werden, sondern z.B. auch zentrale Lebensstilfaktoren wie Bewegung und Ernährung“, sagt Dr. Armin Böhmer, Assistenzarzt an der Internen Abteilung mit Kardiologie der LK Waldviertel Krems. Umgesetzt wird seit Anfang November auch ein Konzept mit intensiver telefonischer Nachbetreuung (Telefonmonitoring) von chronisch herzinsuffizienten Patienten durch speziell geschultes diplomiertes Gesundheits- und Krankheitspflegepersonal. Etwa alle zwei Wochen erfolgt die telefonische Kontaktaufnahme. „Dabei können unter anderem Probleme mit der Medikation besprochen werden bzw. die konkrete Gestaltung des Lebensalltags“, erklärt Böhmer. Durch diese Art der Betreuung steigt auch die Chance, drohende Anzeichen einer Dekompensation rechtzeitig zu erkennen und diese durch Adaptionen der Medikation abzufangen. „Sowohl durch die Schulung als auch die regelmäßigen Kontakte verbessert sich die Compliance der Patienten“, erhofft sich Böhmer einen weiteren Effekt des Projekts.

Spitalsaufnahmen sollen um die Hälfte sinken

Ziel des neuen Versuchs sind sowohl eine Verminderung der Zahl als auch der Dauer der Spitalsaufenthalte – und damit verbunden entsprechende Kosteneinsparungen. Die Spitalsaufnahmen sollen mindestens um die Hälfte gesenkt werden. Weiters geht es um eine deutliche Reduktion der Mortalität bei dieser chronischen Erkrankung. Die kontinuierliche Begleitung in Bezug auf Medikation und Lebensstil soll Patienten außerdem dabei unterstützen, die Lebensgestaltung aktiv in die Hand zu nehmen und so selbst zur Steigerung der Lebensqualität beizutragen. „Grundsätzlich begrüßt“ wird dieses Projekt von Dr. Lothar Fiedler, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich: „Beim Telefonmonitoring hat natürlich auch die Frage Relevanz, ob der Kontakt zum betreuenden Haus- bzw. Facharzt funktioniert, und es können Empfehlungen für den nächsten Arztbesuch gegeben werden.“ Der niedergelassene Allgemeinmediziner soll primärer Ansprechpartner bleiben, bestätigt Böhmer. Er habe den Überblick über alle Maßnahmen sowohl im Spital als auch im extramuralen Bereich, bei ihm laufen alle Informationen zusammen.

Ärzte sind sehr interessiert und erwarten Entlastung

„Einige Ärzte haben bereits intensives Interesse an dem Projekt kundgetan und erwarten sich davon eine Entlastung bei der kontinuierlichen Begleitung und Betreuung von chronisch herzinsuffizienten Patienten“, berichtet Böhmer. Denn diese erfordere einen großen Zeitaufwand und eine starke individuelle Betreuung, die nicht immer allein vom betreuenden Arzt getragen werden könne. Die Ärztekammer wird jedenfalls „sehr genau beobachten, wie sich die Patientenströme durch dieses Projekt entwickeln bzw. ob die gemeinsamen Vereinbarungen, den Hausarzt als primären Ansprechpartner zu stärken, halten“, betont Fiedler. Zugleich sieht er in diesem Projekt eine Chance, die wohnortnahe Medizin zu fördern. Das Projekt ist vorerst auf Patienten der LK Waldviertel Krems beschränkt und läuft bis 2008 und wird in diesem Zeitraum wissenschaftlich evaluiert. Vorgesehen ist die Umsetzung auch für andere Spitalsabteilungen mit kardiologischem Schwerpunkt.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 47/2006

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