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Gesundheitspolitik 15. November 2006

Innovatives Procedere für Notfälle

Niederösterreich ist weiter als manch anderes Bundesland und startet in die Ära der Reformpoolprojekte mit einer interdisziplinären Aufnahmestation sowie Standards für den Umgang mit medizinischen Notfällen.

„Schon die gemeinsamen Vorbereitungen liefen in einer guten, konstruktiven Atmosphäre“, blickt der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich, Dr. Johann Jäger, zurück. Ein Ausgangspunkt für das Projekt in der Region Horn war die Umwandlung von Einrichtungen in Eggenburg und Allentsteig zu Spezialkliniken. Nun wurde eine zentrale interdisziplinäre Aufnahmestation (IAS) am Landesklinikum Waldviertel Horn aufgebaut. Ziele dieses Projektes sind unter anderem die Vermeidung bzw. Reduktion von Fehlbelegungen, eine bessere Auslastung vorhandener Diagnosemöglichkeiten, eine Reduktion der Verweildauer, eine Verkürzung der präoperativen Ab- und Aufklärungsprozesse sowie generell ein besseres Nahtstellen-Management.

Standards für alle Beteiligten

„In der IAS wird geklärt, ob ein Patient tatsächlich stationär aufgenommen werden muss bzw. werden, wenn notwendig, medizinische Erstmaßnahmen ergriffen“, erklärt Jäger. „Ebenso werden Patienten an niedergelassene Ärzte zur weiteren Betreuung verwiesen.“ Zur Sicherstellung der gemeinsam festgelegten Abläufe wurden Standards für die Kommunikation und Informationsweitergabe festgelegt. „Oft kam es bisher in jedem Fall zu einer stationären Aufnahme, jetzt steht die interdisziplinäre Abklärung im Vordergrund, für die auch alle Geräte verfügbar sind“, so Jäger weiter. Dieses breite und rund um die Uhr zur Verfügung stehende Angebot könnte zugleich aber zum Problem werden, wenn zu viele primär dorthin kommen. Denn der Hausarzt ist – das haben alle Partner in diesem Projekt betont – als erste Ansprechperson, als Lotse durch den Prozess der Abklärung, Behandlung bzw. Rehabilitation definiert. Auch niedergelassene Fachärzte sollen entsprechend einbezogen werden und Leistungen nicht in der Ambulanz „verschwinden“. Von niedergelassenen Allgemeinmedizinern erfordert das Projekt, unter der Woche auch außerhalb der Ordinationszeiten erreichbar zu sein. Jäger: „Wir sind dabei, uns diese momentan unbezahlte Aufgabe in den Sprengeln entsprechend aufzuteilen.“ Zu klären seien außerdem noch der tatsächliche Aufwand bzw. die Honorierung – „in welcher Form auch immer“. Fest steht bereits, dass sich Vertreter aus dem niedergelassenen Bereich der Region und dem Landesklinikum regelmäßig treffen, um den Verlauf des Projekts zu besprechen. Ein eigens installierter „Regionalmanager“ wird sich der Koordination notwendiger, aber auch freiwilliger Treffen annehmen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 46/2006

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