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Gesundheitspolitik 31. Oktober 2006

Turnusärzte machen Druck

Nach wie vor werden in Ausbildung stehende Ärztinnen und Ärzte zu Systemerhaltern degradiert und zu einem großen Teil mit ausbildungsfremden Tätigkeiten überfrachtet.

Massive Kritik äußerte vergangene Woche der stellvertretende Obmann der Sektion Turnusärzte der Ärztekammer für Wien, Dr. Erik Huber, an der derzeitigen Ausbildungssituation für Jungärzte. Als Beleg dafür verwies er auf die Tatsache, dass Österreich weltweit das einzige Land sei, in dem Turnusärzte routinemäßig Blutdruck messen, EKG schreiben oder Infusionsflaschen an- und abhängen müssten. „Das ist in etwa so ökonomisch, wie wenn man beispielsweise einen Rechtsanwaltsanwärter zum ausschließlichen Kopieren von Akten abstellen würde“, verglich Huber.
Bereits seit dem Jahr 2001 existiert ein von der Österreichischen Ärztekammer erstelltes Turnusärzte-Tätigkeitsprofil. Wirklich zum Positiven verändert hat sich jedoch seither „noch kaum etwas Essenzielles“, beklagt Huber. Insbesondere seien Verbesserungsvorschläge in keinem Bundesland merkbar umgesetzt worden.

Tätigkeitsprofil umsetzen

Das Tätigkeitsprofil der Ärztekammer schreibt eindeutig das „Recht auf praktische und theoretische Vermittlung der in der Ausbildungsordnung und in den jeweiligen Rasterzeugnissen vorgesehenen Ausbildungsinhalte“ vor. Turnusärzte sollten daher primär ausbildungsrelevant eingesetzt und keinesfalls zu arztfremden Tätigkeiten herangezogen werden.
Ein weiteres Beispiel für die teilweise desaströse ärztliche Ausbildungssituation in Österreich ist die finanzielle Aushungerung von Lehrpraxen. Huber: „Derzeit erhalten weniger als 10 Prozent aller Turnusärzte in Lehrpraxen vom Gesundheitsministerium eine entsprechende Förderung.“ Der Großteil der Lehrpraktikanten sei daher gezwungen, für einen „Schandlohn“ von ungefähr 350 Euro pro Monat zu arbeiten. Von den gesundheitspolitisch Verantwortlichen in der neuen Regierung erwartet sich Huber umfangreiche Maßnahmen zur Sicherstellung einer Ausbildungsqualität, die dem State-of-the-Art einer Medizin in Österreich entspreche.

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