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Gesundheitspolitik 31. Oktober 2006

Bereitschaftsdienst mit mehr Lebensqualität

Zu viel Chaos und Stress lähmen die Freude an der Sache. Die Bereitschaft am Wochenende wird so zur Qual. Mit einer neuen Regelung, auf die sich eine Gruppe von Sprengelärzten einigen konnte, wurde diesem Zustand ein Ende gesetzt.

„Die Situation bei den Wochenenddiensten war durchwegs unbefriedigend. Oft waren wir lange wegen medizinischer Probleme, die eigentlich Lappalien waren, im Einsatz. Als Folge davon waren wir in wirklichen Notfällen mitunter schwer erreichbar“, gibt der Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Schatzberger aus Steinhaus bei Wels eine Erfahrung wieder, die wohl viele Ärzte allzu gut kennen.
Dazu kamen unklare Regelungen bezüglich der Erreichbarkeit während des Dienstes. „Manche Kollegen waren über die Nummer 141 zu erreichen, einige über Anrufumleitung, andere hatten die Lebensgefährtin involviert“, berichtet Schatzberger. ­Diese Situation war auch für die Patienten äußerst unbefriedigend. Sie mussten sich oft durchfragen, um den zuständigen Arzt tatsächlich zu erreichen. Auch das Rote Kreuz kritisierte mehrfach die Probleme mit der Erreichbarkeit. „Es war immer wieder ein pures Chaos und großer, unnötiger Stress“, so Schatzberger.
Bei einer Dienstbesprechung im Sprengel wurde schließlich eine neue Idee geboren, an der sich derzeit drei Ärzte beteiligen, zwei weitere werden demnächst dazukommen. „Wir haben zunächst am Samstag Vormittag sowie am Sonntag Vor- und Nachmittag fixe Zeiten von jeweils etwa zwei Stunden eingerichtet, an denen wir während des Dienstes in der Ordination anwesend sind“, erklärt Schatzberger. Weiters einigte man sich auf eine generelle Erreichbarkeit über 141 oder eine Handynummer, die der Leitstelle bekannt ist.

Umstellung brachte deutlich spürbare Entlastung

Schon in den ersten Wochen brachte diese Lösung eine deutliche Entlastung für alle Beteiligten. Auch nahmen viele Patienten diese Bereitschaftsdienst-Ordinationszeiten, für die keine gesonderte Anmeldung nötig ist, sofort an. „Wenn wir jetzt zwischendurch auf Visite fahren, kommt es nicht mehr vor, dass wir vier- oder fünfmal angerufen werden, obwohl keine wirklich dringliche Situation vorliegt“, freut sich Schatzberger. Zudem sei es endlich möglich, sich zu Mittag eine echte Pause zu gönnen, ohne dass ständig das Telefon läutet.
Für die Beteiligten bedeutet die neue Regelung einen enormen Gewinn an Lebensqualität. Den Patienten bringt das System einen deutlichen Zugewinn an Klarheit und Transparenz, wie Rückmeldungen zeigen. Auch vom Roten Kreuz gibt es nur positive Resonanz, berichtet Schatzberger.
Aus organisatorischer Sicht erfordert die innovative Idee keinen zusätzlichen Aufwand. „Da der Patientenstrom während des Wochenendes – ausgenommen in Grippezeiten – meist überschaubar ist, muss keine Arzthelferin anwesend sein“, erklärt Schatzberger. Zudem komme es nur in Ausnahmefällen zu längeren Wartezeiten. Vor der neuen Regelung mussten Patienten oft viel länger warten, bis der Arzt endlich zu ihnen kommen konnte.
„Während der Bereitschaftsdienst-Ordinationszeiten ist ein Hinweis im Wartezimmer, dass Patienten Platz nehmen sollen und aufgerufen werden, sinnvoll“, empfiehlt Schatzberger. In Ordination ohne Sichtkontakt zum Wartebereich könne die Installation eines akustischen Signals, das der Arzt hört, wenn jemand den Raum betritt, hilfreich sein.
„Wir können uns jetzt jedenfalls viel besser auf die echten Notfälle konzentrieren, für die der Bereitschaftsdienst ja eigentlich da ist“, resümiert Schatzberger. Aus seiner Sicht könne diese Lösung ohne lange Vorbereitungen sofort in jedem Bereitschaftsnetzwerk niedergelassener Allgemeinmediziner umgesetzt werden. „Wichtig ist nur, die fixen Zeiten in der Ordination entsprechend zu kommunizieren“, betont der Allgemeinmediziner. Die Idee wird zumindest in Oberösterreich auch auf Bezirks­ärzteversammlungen vorgestellt werden, um möglichst rasch Verbreitung zu finden.

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