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Gesundheitspolitik 18. Oktober 2006

Hilft der AUVA Kostenwahrheit?

Warum gerade jetzt? Warum lamentiert der Obmann der AUVA, Helmut Klomfar, gerade jetzt über die finanzielle Situation seiner Unfallversicherungsanstalt. Warum setzen sich prompt der Klubobmann der Grünen und der Sprecher der Gewerkschaft der Privatangestellten auf dieses Thema? Neu ist es ja nicht. Schon 2005 betrug der Abgang 103 Millionen Euro. 1.064 Millionen Euro an Einnahmen standen 1.167 Millionen Euro an Ausgaben gegenüber. Fairerweise wäre der Abgang nur 3 Millionen gewesen, hätte sich nicht die Politik bedient, um
den maroden Krankenkassen unter die Arme zu greifen. Der Ruf nach Kostenwahrheit ist nur allzu berechtigt. Einerseits wurde die Beitragspflicht für Lehrlinge aufgehoben und die Streichung der Unfallversicherungsbeiträge für ArbeiterInnen ab dem 60. Lebensjahr verordnet, andererseits nahmen aber die Belastungen stetig zu. Während die AUVA aus ihrer Sicht überhöhte Pauschalbeträge an die Krankenkassen zahlen muss, wenn Arbeitsunfallopfer in AUVA-fremden Spitälern behandelt werden, dürfte die Verrechnung von Nicht-Arbeitsunfällen (Freizeit, Verkehr etc.) umgekehrter weise nicht kostendeckend sein. Wenn jetzt der Ruf nach Rettung erschallt, wird sich Klomfar aber möglicherweise auch mit anderen – unangenehmen – Fragen auseinandersetzen müssen. Warum liegt der Verwaltungsaufwand bei neun Prozent? Warum gibt es neben einer AUVA noch integrierte Unfallversicherungen bei der BVA, SVA und VA? Oder anders gefragt: Warum brauchen wir eine eigenständige AUVA, wenn deren Aufgaben auch die Krankenkassen wahrnehmen können? Warum betreibt die AUVA eigene Spitäler, deren Auslastung durch reine Arbeitsunfälle denkbar schlecht wäre? Und zu guter Letzt wird sich so mancher Leser der ÄRZTE WOCHE fragen, warum er mehrfach unfallversichert zu sein hat: mal als niedergelassener Arzt, mal als Dienstnehmer. Außer Frage steht natürlich das Bekenntnis zu den vier Säulen der gesetzlichen Unfallversicherung: Prävention, Arbeitsunfallheilbehandlung, Rehabilitation und Renten. Wenn der Ruf nach Kostenwahrheit erhört wird, könnte auch der Ruf nach Reorganisation der Unfallversicherungs-agenden und deren Finanzierung unüberhörbar werden. Einen Tost hat der Obmann der AUVA allemal: Wenn die Kasse leer ist, kann die Politik nicht mehr tief hineinlangen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 42/2006

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