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Gesundheitspolitik 18. Oktober 2006

Österreich hat Tuberkulose gut im Griff

Nach dem erschreckenden Bericht über die hohe Anzahl der Tuberkulose-Erkrankten in Europa wird in Österreich Entwarnung gegeben. Hier zu Lande gibt es rund 1.000 Fälle pro Jahr mit abnehmender Tendenz.

„Da Tuberkulose streng meldepflichtig ist, sind die Zahlen sehr verlässlich“, sagt der Wiener Lungenfacharzt Dr. Rudolf Rumets-hofer, Oberarzt am Otto-Wagner-Spital in Wien. „Damit liegen wir schön im Mittelfeld. Spanien, Portugal oder das Baltikum haben deutlich mehr Erkrankte.“ In Österreich sind eher die Zuwanderer betroffen. Sie machen einen wesentlichen Anteil der an Tuberkulose (TB) Erkrankten aus. Inländer bilden eher die Randgruppe, ausgenommen Obdachlose, Alkoholabhängige oder Langzeitarbeitslose. Aber auch auf ältere Menschen entfällt in Österreich ein Anteil von 15 bis 25 Prozent. Sie haben den TB-Erreger vor vielen Jahrzehnten erworben, etwa im Krieg oder in der Nachkriegszeit, und keine adäquate Therapie bekommen. „Wenn das Immunsystem im Alter schlechter wird, kann TB ausbrechen“, so Rumetshofer. Männer seien häufiger betroffen als Frauen. Im Gegensatz zu Österreich gibt es weltweit eine Steigerungsrate bei TB von 0,4 bis ein Prozent. Zudem besteht international zunehmend das Problem mit Resistenzen. Die WHO hofft, dass es ab dem Jahr 2015 eine Trendumkehr gibt. „Früher hat man noch an die Eindämmung der Krankheit geglaubt“, so Rumetshofer. „Doch viele HIV-Infizierte stecken sich wegen ihres geschwächten Immunsystems auch mit Tuberkulose an, der Haupttodesursache bei Aids.“ Besonders betroffen sind die Länder in Südost-Asien, China und Afrika.

Multiresistente Tuberkulose

Die besonders gefährliche multiresistente Erkrankung tritt dort auf, wo TB inadäquat behandelt wird. „Das passiert dann“, so der Lungenfacharzt, „wenn ein Land nicht genügend Ressourcen hat, um Medikamente zu kaufen.“ Auch durch ein inadäquates Gesundheitssystem können sich Resistenzen entwickeln. Die multiresistente TB spielt zwar auch in Österreich eine Rolle, betroffen davon sind aber nur zehn bis 15 Patienten; durchwegs Zuwanderer aus Hotspots, wo diese Art der Tuberkulose existiert. Von den Infizierten erkranken nur etwa fünf Prozent. Die anderen Keimträger haben jedoch ein Leben lang das Risiko, daran zu erkranken. „Jeder der nicht behandelt wird, steckt jemand an-deren an“, warnt Rumetshofer. Deshalb sei das öffentliche Gesundheitswesen besonders gefordert, zu schauen, dass Betroffene auch die richtigen Medikamente bekommen.

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