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Gesundheitspolitik 18. Oktober 2006

Disease-Management Diabetes startet durch

Die koordinierte Betreuung von Menschen mit Typ-2-Diabetes nimmt konkrete Form an, zumindest in der Steiermark und in NÖ. Vor allem Allgemeinmediziner, aber auch Internisten tragen dieses Projekt.

Im Sommer 2005 wurde vom Gesundheitsministerium ein Diabetesplan präsentiert. Dessen Herzstück: Das „Disease-Management-Programm Diabetes mellitus Typ 2 (DMP)“. Auch wenn ein Ausgangspunkt das erfolgreiche steirische Schulungsprojekt zu Diabetes war, das vor allem von Allgemeinmedizinern getragen wird, gab es einige kritische Stimmen. „Zwangsbeglückung per ministerieller Verordnung“, ortete etwa Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Steiermark. Vor allem die vorgesehenen Behandlungspfade wurden als „zu eng“ abgelehnt. „Inzwischen konnten die meisten Bedenken und Vorbehalte ausgeräumt werden“, berichtet Dr. Martin Georg Millauer, Vorsorgereferent der steirischen Ärztekammer. „Wir haben auch – ausgehend von den Erfahrungen und Vereinbarungen mit der Kasse in Oberösterreich – für die Ärzte bessere Rahmenbedingungen ausverhandelt.“ Das Honorar für die strukturierte Diabetikerbetreuung liegt auf dem Niveau der Gesundenuntersuchung. Und: Die im DMP vorgesehenen Laboruntersuchungen werden in Hinblick auf die Abrechung nicht in die Regression fallen. „Sonst würde sich ja ein Nullsummenspiel ergeben“, erklärt Mill-auer. Wichtig sei außerdem, dass die Behandlungspfade nunmehr als Vorgabe die Wege zwar vorzeichnen, bei Bedarf aber auch individuell gestaltet werden können. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Patient ein bestimmtes Medikament nicht verträgt oder ein verstärktes Eingehen auf die individuelle Lebenssituationen des Patienten erforderlich sei.

Sorgfalt bei Datenübermittlung

Ausgeräumt wurden vorerst auch die Bedenken hinsichtlich der ausführlichen Dokumentation und der Übermittlung personenbezogener Daten. „Dazu gibt es einen konkreten Plan des Ministeriums“, so Millauer. „Inwieweit dieser hält, wird – ähnlich wie bei der Vorsorgeuntersuchung – zu prüfen sein.“ Bedarf für Nachverhandlungen sieht der steirische Vorsorgereferent noch beim Thema EKG, das im DMP vorgesehen ist und in der Steiermark eigentlich nur in Notfällen verrechnet werden kann: „Aus dem Arzneimitteldialog mit der Gebietskrankenkasse haben wir vom Vorjahr noch mehr als 2,7 Millionen eingesparte Euro. Diese Mittel sollen unter anderem dafür aufgewendet werden, dass Allgemeinmediziner das EKG generell verrechnen können, wobei es Limits geben wird.“ Damit verknüpft ist ein geplantes Programm zum Problemfeld Herzinsuffizenz, das aus Geldern des Refompools finanziert werden soll. „Auch dieses Projekt würde ohne eine neue Regelung für die EKG-Abrechnung keinen Sinn machen“, sagt Millauer. Ein Unterschied des DMP zum steirischen Diabetes-Schulungsprojekt liegt darin, dass neben Gruppenangeboten die ärztliche Einzelbetreuung stärker in den Mittelpunkt rückt. Damit soll verhindert werden, dass bei Patienten Diabetes zwar erkannt und einmalig eingestellt wird, das Problem dann aber bagatellisiert und erst wieder zum Tragen kommt, wenn bereits Spätschäden vorliegen. „Die Betreuung des Patienten beinhaltet auch eine umfassende Beratung und eine Zielvereinbarung, die unter anderem Ernährungsverhalten, Bewegung und Rauchen umfasst“, berichtet Millauer. Ebenso wichtig seien die starke Einbindung des Patienten und die Förderung eines möglichst starken Selbstmanagements. Umsetzen können das DMP sowohl Allgemeinmediziner als auch Internisten, und zwar unabhängig von einem Kassenvertrag. Voraussetzung ist, wie schon bei den Gruppenschulungen, die Teilnahme an einer speziell gestalteten Fortbildung. „Wir haben bereits 50 Ärzte geschult“, berichtet Millauer. „Schwerpunkte sind die Einführung in das DMP und eine Wissensauffrischung zur Erkrankung.“ In Zukunft soll auch E-Learing zum Einsatz kommen. Weitere Möglichkeiten zur ärztlichen Fortbildung sind Kurse, Literaturstudium und interdis-ziplinäre Qualitätszirkel. Millauer sieht „den Weg dafür geebnet, das DMP in ganz Österreich umzusetzen“. In Niederösterreich wurde Anfang Oktober grünes Licht für ein entsprechendes Projekt in der Modellregion Waldviertel gegeben. Starttermin ist gegen Ende des Jahres.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 42/2006

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