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Gesundheitspolitik 10. Oktober 2006

Erfolg mit Schulung von Hypertonikern

Hinter herz.leben stehen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse. Die bisherigen Erfahrungen daran beteiligter Ärzte zeigen, dass die meisten der involvierten Hypertonie-Patienten tatsächlich ihren Lebensstil verändern.

Das Projekt herz.leben wurde ausgehend von den durchwegs positiven Ergebnissen des Diabetesschulungsprojekts in der Steiermark gestaltet. Von 2002 bis 2004 lief eine Pilotphase, inzwischen haben mehr als 100 niedergelassene Ärzte ein Fortbildungsprogramm absolviert und setzen selbst Schulungen für Patienten mit Hypertonie um. Involviert sind vor allem niedergelassene Allgemeinmediziner sowie Internisten mit und ohne Kassenvertrag.

Wissenschaftliche Auswertung gibt Ärzten Rückhalt

„Ich habe gerade mit meiner dritten Schulung begonnen und kann auch aus meiner Sicht die positiven Ergebnisse, die sich in der wissenschaftlichen Begleitung zeigen, bestätigen“, berichtet Dr. Evelyn Wieser-Erlitz, Allgemeinmedizinerin in Frohnleiten. Die Schulung der Patienten umfasst vier Module mit theoretischen und praktischen Inputs, kooperiert wird dabei auch mit Diätologinnen bzw. Krankenpflegepersonal mit Zusatzausbildung.
Die Evaluierung des gemeinsamen Projekts von Ärztekammer und Gebietskrankenkasse obliegt „Joanneum Research“. „Das ist auch eine sehr gute und unmittelbare Rückmeldung für unsere Beratungstätigkeit“, betont Wieser-Erlitz.
Nach den ersten Ergebnissen führt die Schulung zu einer deutlichen Steigerung nicht medikamentöser Therapien. Deutliche Verbesserungen zeigen die Blutdruckwerte, zudem sind durch die Hypertonie begünstigte Folgeerkrankungen seltener, etwa zerebro- und kardiovaskuläre Ereignisse und die Progression der diabetischen Nephropathie. Die Patienten lernen auch, wie eine Blutdruckmessung richtig durchzuführen ist. „Leider“, so Wieser-Erlitz, „sind oft sehr billige Geräte im Einsatz, die noch dazu falsch verwendet werden.“
Rückmeldungen von Patienten bestätigen einen weiteren Nutzen der Schulung: Vielen ist nun klarer, wie es überhaupt zu erhöhtem Blutdruck kommt und welche organischen Auswirkungen dies hat. Sehr gut angenommen wird auch die im Programm enthaltene Ernährungsschulung. „Viele Patienten beginnen mit der Veränderung ihres Speiseplans – und halten das auch langfristig durch“, freut sich Wieser-Erlitz. Ebenso positiv wirkt sich herz.leben hinsichtlich regelmäßiger Bewegung aus, was etwa durch Angebote wie Nordic Walking unterstützt wird.
Eine der wesentlichen Ursachen für Bluthochdruck ist Übergewicht. Wieser-Erlitz ist davon überzeugt, dass der Ansatz von herz.leben auch in der Betreuung von Patienten mit starkem Übergewicht umsetzbar wäre. Dies gelte insbesondere für die konsequente und kontinuierliche Schulung.

Patienten brauchen messbaren Effekt einfacher Maßnahmen

Neben Information und konkreten Anleitungen für Patienten zeigen Messungen Wirkung. Im Zusammenhang mit Übergewicht gelte dies beispielsweise für die Frage, wie viel Fett durch entsprechende Veränderung der Ernährung sowie forcierte regelmäßige Bewegung erreicht werden kann. „Für Patienten ist es oft wichtig“, so Wieser-Erlitz, „die erreichten Ziele schwarz auf weiß sehen zu können. Sie sind vom Effekt, der schon mit einfachen Maßnahmen erzielt werden kann, meist positiv überrascht.“
Menschen mit starkem Übergewicht haben oft das Gefühl, Gesundheitsprobleme würden höchstens andere, aber nie oder erst wesentlich später sie selbst betreffen. Risikobewusstsein zu vermitteln, ist deshalb, so die Allgemeinmedizinerin, „ein wichtiger Aspekt in der Schulung und Begleitung dieser Menschen“.
Ein Erfolgsfaktor des Projekts dürfte im Einsatz von „hard facts“ liegen, meint Wieser-Erlitz: „Wir zeigen in den Schulungen deutlich auf, wie hoch die Herz-Kreislauf-Mortalität in Österreich ist; in der EU wird diese nur von Irland übertroffen.“

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