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Gesundheitspolitik 10. Oktober 2006

Kassenfrieden im Burgenland

Im Vergleich zu manchen anderen Bundesländern scheint das Verhältnis zwischen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse im Burgenland gut zu sein. Mit den letzten Verhandlungen sind die Ärztevertreter jedenfalls zufrieden.

Im August starb überraschend OA Dr. Walther Helperstorfer, seit 1994 Präsident der burgenländischen Ärztekammer. Die Geschäfte führt nun der 1. Vizepräsident, der Allgemeinmediziner Dr. Milan Kornfeind. Er arbeitet eng mit dem 2. Vizepräsidenten, Prim. Dr. Gerhard Puhr, Ärztlicher Leiter des LKH Güssing, zusammen. Dies dürfte bis zur Kammerwahl im März kommenden Jahres auch so bleiben, wobei die Vollversammlung im Dezember noch ihre Zustimmung geben muss.

Intensive, aber faire Gespräche

Während in anderen Bundesländern heftige Konflikte bis zur Auflösung des Vertrages mit der Kasse ausgefochten werden, verlaufen im östlichsten Bundesland die Verhandlungen von Kammer und Kasse vergleichsweise beschaulich. „Wir haben soeben die Verhandlungen zum Gesamtvertrag abgeschlossen“, berichtet Kornfeind. „Es waren durchaus intensive, aber faire Diskussionen.“
Zugunsten der niedergelassenen Ärzte konnte für 2005 eine Nachzahlung von 2,5 Prozent erreicht werden, für 2006 eine Erhöhung von 2 Prozent. Die Beträge werden in mehreren Tranchen ausgezahlt. Als weiteren Erfolg wertet Kornfeind den Koordinierungszuschlag: „Das fordern wir auch für Fachärzte ein.“
Bei den Verhandlungen konnten auch einige offene Punkte bezüglich der Nachbesetzung von Kassenstellen geklärt werden. Ein wichtiges Ergebnis ist für Kornfeind die Einigung bezüglich Nachfolgepraxis bzw. Time-Sharing. Bei letzterem Modell kann jeder niedergelassene Arzt einen Partner in die Praxis holen, festgelegt ist eine Höchstgrenze für die Fallzahlen und -werte. Als Ausnahme gilt, wenn eine neue Leistung wie etwa Ultraschall dazukommt. Dann ist eine Erhöhung der Fallzahlen zulässig. Time-sharing kann für eine bestimmte Zeit oder unbefristet vereinbart werden, muss aber dann auslaufen, wenn ein Partner das 65. Lebensjahr erreicht.
Ähnliches gilt für die Nachfolgepraxis, bei der die Zeit der gemeinsamen Tätigkeit eher beschränkt bleiben wird. Für dieses Modell gelten Übergangsbestimmungen für Ärzte, die bereits älter als 65 sind und Interesse an einem fließenden Ausstieg aus dem Berufsleben haben.

Ausbau der Palliativbetreuung durch Reformpoolmittel

Die Umsetzung des Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) zeigt im Burgenland erste Ansätze. So wird aus Mitteln des Reformpools der weitere Ausbau der Palliativbetreuung finanziert. Im Mittelpunkt dabei steht die intensivierte Kooperation zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich. „Es wird auch einen Krankenhaus ersetzenden Schein pro Monat geben“, berichtet Kornfeind.
Doch nicht alles ist im Burgenland eitel Wonne. Durch die e-Card kommt es bei Allgemeinmedizinern zu Umsatzeinbußen von durchschnittlich fünf Prozent, da immer mehr Patienten direkt zum Facharzt gehen. „In vielen Ordinationen wird eine Umstrukturierung nötig sein, eine Veränderung, was genau angeboten werden kann“, meint Kornfeind.
Zur Diskussion steht auch die Notfallversorgung. Hier erhofft sich Kornfeind „eine bessere Koordinierung“ vor dem bereits beschlossenen Aufbau einer zentralen Katastrophenleitstelle für das ganze Bundesland. Diese soll in zwei Jahren in Betrieb gehen und Einsätze nicht nur von Notärzten, sondern auch der Feuerwehr und anderer Organisationen koordinieren.

Unnötige Hubschrauberflüge

„Momentan kommt es gerade im südlichen Burgenland immer wieder vor, dass der Rettungshubschrauber gerufen wird, obwohl dies aus medizinischer Sicht nicht nötig wäre“, berichtet Kornfeind. „Bereits jeder zweite Einsatz wird von der Gebietskrankenkasse nicht bezahlt.“ Problemlos funktioniert zurzeit die Telefonnummer 141, über die der jeweils diensthabende Arzt erreichbar ist. Auch mit Bezahlung und Organisation der Dienste ist Kornfeind zufrieden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 41/2006

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