zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 4. Oktober 2006

Umstrittene Ärzte-GmbH: Ärzte und Wirtschaft im Clinch

Die Differenzen zwischen Ärztekammer und Wirtschaftskammer in Zusammenhang mit der Gründung von Ärzte-GmbHs sind noch nicht ausgeräumt.

Das GmbH-Modell soll den teuren Spitalsbereich entlasten und wird deshalb von den Ärzten wie auch vom Gesundheitsministerium und den meisten Parteien befürwortet. „Damit sollen die Öffnungszeiten ausgedehnt werden können und eine Alternative zu Spitälern im niedergelassenen Bereich geschaffen werden“, so Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, im „Wirtschaftsblatt“.
Stein des Anstoßes ist nach wie vor, ob diese Zentren noch zur Ärztekammer oder aber zur WKÖ-Fachgruppe der Gesundheitsbetriebe gehören. Deren Obmann Julian Hadschieff ist von Letzterem überzeugt. Er vermutet, dass die Ärzte bei der Wunsch-Konstruktion Qualitätskriterien, sanitätsrechtliche Bestimmungen und die Bedarfsprüfung umgehen wollen. „Das ist für uns eine Wettbewerbsverzerrung.“ Außerdem hätten die Ärzte schon jetzt die GmbH-Möglichkeit, wenn sie eine Krankenanstalt gründen.
Für die Standesvertreter gibt es allerdings genug Gründe, die Ärzte-GmbH als Kooperationsform endlich zu ermöglichen. So habe eine GmbH den steuerlichen Vorteil, dass die Gewinnausschüttung nur dem KöSt-Satz von 25 Prozent unterliegt. Zum Vorteil der Patienten könnten mehrere Ordinationen in einem Haus und angestellte Ärzte längere Öffnungszeiten und mehr Geschäft erlauben. Für eine GmbH seien auch Teilzeitmodelle attraktiv, was vor allem Ärztinnen flexibles Arbeiten ermöglichen würde.
Dem Argument von Hadschieff, dass Ärzte ohnehin Krankenanstalten gründen könnten, halten Ärztevertreter entgegen: „Wenn Ärzte Ordinationszentren gründen und Ärzte anstellen, sind das Ambulatorien oder Krankenanstalten. Spitalsbetreiber werden deshalb auch solche Einrichtungen gründen wollen.“
Natürlich geht es bei den Differenzen in der Causa Ärzte-GmbH auch ums Geld. „Ambulatorien sind Mitglied bei der Wirtschaftskammer. Die Ärztekammer würde so gute, zahlende Mitglieder verlieren“, geben Ärztevertreter zu bedenken.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben