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Gesundheitspolitik 28. September 2006

ÄWOScop: Hausarzt in Not – Patient in Not

Dieser Tage hielten namens der ÖVP Wien Kollege Dr. Erwin Rasinger und Frau Korosec – beide Gesundheitssprecher – eine Presskonferenz zum Thema „Hausarzt in Not“ ab. Natürlich bezogen auf die Wiener Situation. Natürlich nicht ohne die Schuldigen zu nennen. Natürlich sind dies die „böse“ rote Gebietskrankenkasse und die rote Stadträtin für Gesundheitswesen. Schön der Reihe nach. Seit Einführung der e-Card gehen die Frequenzen, sprich „Scheinzahlen“ der Praktiker zurück. Angeblich. Denn vergleicht man die ersten Quartale 2003 bis 2006, ist die Fallzahl mit geringfügiger Abweichung wegen einer Grippewelle 2005 unverändert. Während Rasinger in der ungehemmten Nutzung der e-Card bei Facharztkonsultationen die Ursache für den vermeintlichen Rückgang der hausärztlichen Patientenquote sieht, dürfte die Ursache – um bei der Wahrheit zu bleiben – nicht dort zu suchen sein. Laut Wiener Gebietskrankenkasse ist die e-Card in Wien genauso begrenzt wie ehedem die übermittelte Krankenscheinzahl. Mehr als zwei Fachärzte pro Quartal suchen – wie man von der Kasse hört – ohnehin weniger als 1 Prozent der Patienten auf. Bemerkenswert ist allerdings eine genauere Betrachtung des Fallwertes in Wien. Mit Euro 35,40 liegt er im ersten Quartal 2006 spürbar unter dem Durchschnittswert von 2005 und eklatant unter dem österreichweiten Durchschnitt. Satte elf Prozent. Und das trotz so stolz verkündetem Vertragsabschluss. Selbst bei der sattsam als sparsam bekannten Gebietskrankenkasse in OÖ liegt der Fallwert um fast drei Euro höher. Den Großstadtfaktor anhand eines Vergleiches mit Linz heraus zu arbeiten, scheiterte unter dem Vorwand des Datenschutzes. Glücklich können sich bestenfalls die Niederösterreicher schätzen, die ihre Wiener Nachbarn 20 Prozent hinter sich lassen. Insgesamt fällt natürlich auf, dass Wiens Hausärzte hinsichtlich der Honorierung merkbar nachhinken. Deutlicher wird die Misere aber erst dann, wenn man die Honorarsummen vergleicht. Jenen Umsatz, von dem die Hausärzte hier zu Lande ihre Praxis betreiben und auch noch selbst davon leben müssen. Dank bundespolitisch gegebener Vorgaben wird die Decke für die niedergelassenen Ärzte immer tiefer. Wenn sie ihnen auf den Kopf gefallen ist, wird ihre Not vorbei sein – und die der Patienten erst richtig beginnen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 39/2006

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