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Gesundheitspolitik 4. Oktober 2006

Kinderärzte lassen nicht locker: Fahrlässige Versorgungsmankos

Die Ignoranz der Engpässe in der medizinischen Betreuung von Kindern bringt die Fachärzte für Pädiatrie teilweise an die Grenzen des fahrlässigen Handelns.

„Der Geburtenrückgang ist ein falsches Argument für Einsparungen in der Pädiatrie“, erklärten vergangene Woche Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) bei einer Pressekonferenz anlässlich der 44. Jahrestagung in Bregenz. Zu viel Bürokratie, Sparmaßnahmen und zu wenig Personal gefährdeten die Versorgung kranker Kinder in Österreich, so ÖGKJ-Präsident Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch.
Bei einem Geburtenrückgang von zehn Prozent sei die Zahl der pädiatrischen Spitalsbetten in Österreich von 1988 bis 2005 um 40 Prozent reduziert worden, erklärte ÖGKJ-Vizepräsident Prof. Dr. Wilhelm Müller. Es gehe nicht an, dass weiterhin gesundheitsökonomisch Spitalsbetten als alleinige Berechnungsgrundlage dargestellt würden. Dabei übersehe man in der Politik etwa den Anstieg der Früh- und Mehrlingsgeburten oder von chronischen Krankheiten bei Kindern.

Kritik am Strukturplan

Leider gehe auch der geplante Österreichische Strukturplan Gesundheit 2006 (ÖSG) großteils an den Bedürfnissen der Pädiatrie vorbei. So werde etwa der wachsende Anteil an ambulanten Behandlungen im ÖSG nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie die immer wichtiger werdende Begleitaufnahme eines Elternteils. Positiv zu bewerten sei, dass die Maximalauslastung eines Kinderspitals mit 75 Prozent auf-genommen worden sei.
Kinderärzte würden durch die verfehlte Gesundheitspolitik und die Finanzpolitik der Spitalsträger teilweise an die Grenzen des fahrlässigen Handelns gebracht, weil in Österreichs pädiatrischen Abteilungen keine ausreichenden Kapazitäten für stationäre Aufnahmen vorhanden seien, kritisierte Müller. Kongresspräsident Dr. Bernd Ausserer (KH Dornbirn) sowie die Kongressekretäre Dr. Burkhard Simma (LKH Feldkirch) und Dr. Christian Huemer (LKH Bregenz) betonten, in Vorarlberg werde kein Kind, bei dem eine stationäre Aufnahme notwenig sei, nach Hause geschickt. Man sei aber auch im Ländle an den Ressourcen- und Kapazitätsgrenzen angelangt.

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