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Gesundheitspolitik 19. September 2006

Prinzipiell ja, aber nur mit Qualitätssicherung

Welchen Stellenwert Osteopathie, Bach-Blüten oder Fußreflexzonen­massagen im Gesundheitssystem von morgen einnehmen sollen, dazu
äußerten sich Politiker bei einer von der Plattform „Ja zur Komplementärmedizin“ veranstalteten Diskussion.

Eine Wahlveranstaltung hätte es eigentlich nicht werden sollen, der Termin für die Diskussion stand längst fest, ehe die Österreicher überhaupt ahnten, dass sie bereits Anfang Oktober zu den Urnen gerufen werden. Aber verbindliche Stellungnahmen waren zum Thema der Diskussion „Komplementärmedizin – ihre Rolle in einem modernen Gesundheitssystem“ am 11. September von den Parteienvertretern am Podium ohnehin kaum zu hören. Denn egal, wie wichtig Globuli, Neuraltherapie oder Rotklee heutzutage für Patienten sein mögen, im modernen Gesundheitssystem geht es vordergründig um eins: um die Finanzierung. So betonte denn Dr. Su­sanne Oberhauser, Kinderärztin und Vorsitzende der ARGE ÄrztInnen im ÖGB, die für die SPÖ gekommen war, dass wirksame Maßnahmen wie Osteopathie derzeit hauptsächlich den Privilegierten vorbehalten sei. Ohnehin werde bereits ein Drittel der Gesamtkosten des Gesundheitssystems von den Versicherten privat aufgebracht. Doch angesichts der Knappheit der Krankenkassenbudgets war man schnell bei der Frage, was denn nun eigentlich erstattungswürdig sei. Und damit bei der Forderung nach Qualitätssicherung für die unzähligen Methoden, die unter der Fahne der Komplementärmedizin segeln und zuweilen hart ans Esoterische schrammen.

Keine statistischen Daten

„Wir wissen nicht, wer wo wann zu welchen Kosten in Österreich Komplementärmedizin betreibt“, bekannte Dr. Bettina Reiter von der Plattform „Ja zur Komplementärmedizin“. Immerhin gibt es in der Alpenrepublik 7.000 Menschen, die einen Gewerbeschein als „Energiearbeiter“ besitzen, was immer das auch sein mag. Überhaupt machen herumschwirrende Begriffe nicht nur Hilfe suchende Patienten ratlos. Von der Bezeichnung „Alternativmedizin“ ist man hier zu Lande abgekommen, schließlich verstehen sich die Therapieansätze nicht als Alternative zur Schulmedizin, sondern eher als Ergänzung. Nichtsdestotrotz werden die Methoden im internationalen – englischen – Sprachgebrauch unter CAM subsumiert, für Complementary and Alternative Medicine. Eine akademische Ausbildung in den Verfahren gibt es in Österreich nicht, verschiedene Gesellschaften bilden in verschiedenen Methoden aus, qualitätssichernde Maßnahmen sind in etlichen dieser Institutionen angesiedelt. „Nicht alles, was als Komplementärmedizin angeboten wird, gereicht dem Patienten zum Vorteil“, mahnte Dr. Erwin Rasinger, Allgemeinmediziner und Gesundheitssprecher der ÖVP, und pochte darauf, dass sich jeder, der eine Heilmethode anbiete, dem wissenschaftlichen Diskurs zu stellen habe. Dass „Schwachsinn nicht gefördert“ werden sollte, dem stimmte auch der Gesundheitssprecher der Grünen, Prof. Dr. Kurt Grünewald, zu, forderte aber faire und komplementärmedizinverträgliche Methoden der Evaluierung. Dass das Thema durchaus Brisanz hat, zeigte sich an der Zusammensetzung des Publikums im gerammelt vollen Saal des Architekturzentrums im Museumsquartier: Gekommen waren unter anderem Vertreter des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, der Pharmaindustrie sowie Ärzte, Patientenanwälte und Patienteninitiativen.

Zuerst das Wort

Barbara Rosenkranz, einzige Nichtmedizinerin am Podium, die laut eigener Aussage ihren Posten als Gesundheitssprecherin der FPÖ nach den Wahlen für einen Arzt räumen will, zitierte den immer passenden Hippokrates: „Zuerst das Wort, dann die Arznei, dann das Messer“, und will sich dafür einsetzen, dass Komplementärmedizin gleichberechtigter in Bezug und Erstattung behandelt wird. Auch wenn die Kostenfrage freilich nicht geklärt werden konnte, war man sich jedenfalls einig darüber, dass bei allem Einsatz für die Komplementärmedizin der Patientennutzen im Vordergrund stehen sollte.

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