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Gesundheitspolitik 19. September 2006

„So ein Schlagerl“ braucht integrierte Versorgung

Bei Diagnose, Behandlung und Reha-bilitation von Schlaganfällen geht oft unnötig viel Zeit verloren, unter anderem durch Fehleinschätzungen. Ein Pilotprojekt hat zum Ziel, die verschiedenen Maßnahmen besser aufeinander abzustimmen.

„Ein wesentliches Problem in der Versorgung von Insultpatienten ist, dass oft nicht richtig bzw. rechtzeitig erkannt wird, was los ist“, betont Dr. Oskar Schweninger, Kurien-Obmann niedergelassene Ärzte in Oberösterreich. Andere Faktoren wiederum führen zu einer starken Verzögerung der adäquaten Maßnahmen. Grund dafür sind Mankos im Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen und Personen im Versorgungssystem.Laut aktuellen Studien erleiden jährlich mehr als 20.000 Österreicher einen Schlaganfall, allein in Oberösterreich sind pro Jahr ca. 3.000 Menschen betroffen. Ärztekammer, Land und Gebietskrankenkasse Oberösterreich haben nun gemeinsam ein Projekt zur „integrierten Versorgung“ von Schlaganfallpatienten entwickelt. Dieses startet zunächst in den Pilotregionen Linz und Vöcklabruck.

Hoch gesteckte Ziele

„Nach dem Motto ‚time is brain’ zielt das Projekt darauf ab, die Folgen eines Schlaganfalls möglichst gering zu halten bzw. die Rate der Todesfälle drastisch zu reduzieren“, erklärt Schweninger. In multidisziplinären Arbeitsgruppen wird seit Oktober 2005 an den Details gearbeitet. „Zunächst geht es um die Vernetzung der verschiedenen Partner: niedergelassene Ärzte, vor allem Allgemeinmediziner und Notärzte, Rettungsorganisationen, Spitäler mit Stroke units und Einrichtungen zur Rehabilitation“, erklärt Schweninger. „Auch ambulante Strukturen und Angebote sowie Selbsthilfegruppen sollen stärker einbezogen werden.“ Für eine bessere Prüfung der Abläufe werden Datenblätter eingesetzt. „Ein wesentlicher Faktor des Projekts ist die Bewusstseinsbildung sowohl bei den eingebundenen Partnern als auch bei der Bevölkerung“, sagt der Kurienobmann. „Wie lässt sich ein Schlaganfall zuverlässig erkennen? Was ist in welcher Reihenfolge zu tun?“ Die nach wie vor anzutreffende Bagatellisierung „so ein Schlagerl, das macht doch nichts“ wäre völlig unangebracht. Neben der Akutversorgung und dem nachfolgenden Procedere liegt ein weiterer Fokus auf der Prophylaxe. „Dazu können die Hausärzte im Sinne der Lebensstilmedizin viel beitragen“, betont Schweninger.

Standards in der Bildgebung

Schließlich strebt das Pilotprojekt die Umsetzung von Standards in der bildgebenden Diagnostik an. CT-Untersuchungen ermöglichen die Differenzierung zwischen ­ischämischem Schlaganfall, intrazerebraler Blutung oder Subarachnoidalblutung. „Das ist für die Wahl spezifischer Therapieoptionen ausschlaggebend, also Lyse bei Ischämie oder Transfer auf eine neurochirurgische Abteilung bei einer Blutung“, präzisiert Schweninger. Kommendes Jahr soll im Rahmen des Pilotprojekts auch eine Informationskampagne zum Thema Schlaganfall umgesetzt werden. Geplant sind Pressekonferenzen, Artikel in den Medien der Projektpartner, Inserate, TV- und Radio-Spots etc. Für niedergelassene Ärzte wird ein umfassendes Info-Paket mit Folien vorbereitet. Dieses soll beispielsweise bei Vorträgen im Rahmen der Aktion „Gesunde Gemeinde“ zum Einsatz kommen. „So können Ärzte ihre Rolle als Kompetenzträger für die Informationsarbeit vor Ort mit Leben füllen“, hofft Schweninger. Für die Finanzierung des Projekts sind Mittel aus dem Reformpool vorgesehen. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie Nahtstellen-Management in einem wichtigen Bereich sinnvoll gefördert werden kann“, betont Schweninger. Erfreulicherweise waren Ärzte von Anfang an in die Entwicklung und Umsetzung der Pläne einbezogen.

Hintergrundinfos im Internet: EUSI – Informationen für niedergelassene und Krankenhausärzte (www.eusi-stroke.com - unter „recommendations“) DFP-Online: Artikel zu Akutmanagement und Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls (www.dfponline.at).

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